Science Blogs an der Uni Zürich | Neurowissenschaften in Second Life
Die Uni Zürich feiert ihr 175-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass wagen sich 15 Professoren in die Untiefen der Blogossphäre und bloggen über ihren Arbeitsalltag: “Das stattliche Alter unseres Hauses hindert uns nicht, modernste Kommunikationsformen zu nutzen und uns unter die blog community zu mischen.” Jeder der bloggenden Professoren stellt sich außerdem in einem kurzen Videoclip vor. Vorbeischauen lohnt sich!
Sehr spannend finde ich den Beitrag Lutz Jäncke. Der Inhaber des Lehrstuhles für Neuropsychologie am Psychologischen Institut der Universität Zürich beschäftigt sich als Neurowissenschaftler mit Second Life. Es geht zum Beispiel um die Frage, wie Personen auf die Gesichter von Avataren reagieren. Untersucht wird auch, ob es Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen gibt und welche Gefahren und Chancen mit virtuellen Realitäten verbunden sind. Lutz Jänicke stellt auch die Frage: “Empfinden [Personen] die gleichen Gefühle wie in realen Situationen?” Meine Erfahrungen mit Second Life deuten zumindest darauf hin, dass virtuelle Welten tatsächlich eine hohe Immersion bewirken können, zumindest wenn Interaktionen mit anderen möglich sind. Ein Beispiel fällt mir ein: Beim Bauen des virtuellen IWM im Second Life habe ich mich, was die Steuerung meines Avatares angeht, zu Beginn recht unbeholfen angestellt. Dabei bin ich mehrere Mal rückwärts und etwas unbeholfen auf das Nachbargrundstück gelaufen, auf dem eine Avatarin der Berufsakademie Merz an ihrem Projekt arbeitet. Irgendwann wurde ich über die Chatzeile ziemlich direkt angesprochen, was mir einfallen würde, ich würde sie stören. Offensichtlich fühlte sie sich von mir belästigt, obwohl eine Kontaktaufnahme meinerseits nicht beabsichtigt war. Auch bei Veranstaltungen in Second Life hatte ich das Gefühl, das die Personen tatsächlich als Avatare agieren und empfinden, ich fühlte mich an Rollenspiele von Kindern erinnert, die in ihrem Spiel aufgehen, Habitus und Sprache an die jeweilige Spielsituation anpassen.
Bernd Schmitz berichtet über ähnliche Erfahrungen: “Durch den 3D-Effekt und die Voice-Integration ändert sich auch oft die Ansprache unter den teilnehmenden Personen. “Hier ich gebe Dir…”, “Setzt Euch bitte auf die Stühle…” oder ” Herr Lehrer, sollen wir jetzt alle in den Raum gehen…” Bei solchen Sätzen sprechen die Menschen immer über die Steuerung und Interaktionen der Avatare (den digitalen Stellvertretern), haben aber durch die Immersion ein spezielles Gefühl es irgendwie doch selber zu sein. Oft höre ich auch den Satz: ” Schön Dich Heute wieder zu sehen …” Damit meint der Gegenüber eigentlich folgendes: “Schön das ich auf meinen Bildschirm Deinen Avatar sehen kann…”.”

















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