Um es gleich vorneweg zu sagen: Ich habe den Artikel von Schulmeister (dafür gibt’s ja Twitter) nicht gelesen. Ich werde es auch nicht tun, die Diskussion im Web dazu ist schon spannend genug. Am besten finde ich Jean-Paul Martin, der einen Blogbeitrag schreibt, und den dann aber wieder löscht, weil es wichtigeres zu tun gibt. Die Diskussion ist dabei so schön kontrovers, weil es um viele Gegensätze geht: Blogger vs. Wissenschaftler, Praxis vs. Theorie, Innen vs. Außen (Schulmeister selber äußert sich nicht zur Diskussion).

Die Diskussion zeigt für mich aber ein sehr zentrales Problem, dass sich für bloggende Wissenschaftler ergibt. Und jenseits von der Frage, ob Christian Spannagel in seinem Blog “unbelastet von vierzig Jahren hochschuldidaktischer Forschung” ist oder nicht finde ich es wichtig und spannend, sich diesem Problem zu stellen. Ich nenne das Problem “Wissenschaft 2.0″ und möchte dazu drei Bemerkungen los werden.

1.) Einmal Wissenschaft, immer Wissenschaft. Viele bloggende Wissenschaftlerinnen nehmen sich selbst nur als “Wochenendblogger” wahr oder verstehen den eigenen Blog nur als eine Möglichkeit zum Netzwerken und Kommunizieren. Das widerspricht meinem Verständnis von Wissenschaft. Für mich ist nämlich jede Äußerung die im Kontext der Themen mache, in denen ich mich als Experte verstehe Teil der Wissenschaft. Ich bin also nicht nur Wissenschaftler, wenn ich ein Paper schreibe, in dem ich Reviewer davon überzeugen muss, dass meine Ergebnisse absolut überzeugend sind, sondern eben auch, wenn ich über meine Erfahrung reflektiere. Deshalb finde es vollkommen legitim, Meinung und Erfahrung zu äußern, aber eben genau so wichtig, Anknüpfungspunkte an Theorie und Empirie zu explizieren, wenn ich die habe.

2.) Kommunikation ist Teil der Wissenschaft. Und zwar sowohl nach innen, also auch nach außen ist Teil der Wissenschaft. Öffentliche Wissenschaft meint damit also, das was ich tue mit Kollegen zu teilen und gleichzeitig einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Daraus ergibt sich für mich die zwingende Anforderung, dass ich meinen Blog nicht nur als “Nebenbei-Kommunikation” mit Kollegen verstehe, sondern mir klar mache, dass Texte in einem Blog eines Wissenschaftlers als “Wissenschaft” verstanden werden. Ich selber werde diesem Anspruch in meinem Blog nicht gerecht, weil ich tatsächlich wenig über meine eigentlichen Forschung blogge. Vielleicht sollte ich mir das vornehmen.

3.) Blogs müssen anschlussfähig bleiben. Natürlich ist ein Blog zunächst mal eine ganz inviduelle Sache, das kann tatsächlich jeder schreiben, was und wie er oder sie will. Besonders spannend finde ich aber wissenschaftliche Texte (sowohl in Blogs, als auch in Zeitschriften), wenn sie Beziehungen aufzeigen zwischen früherer und heutiger Forschung, zwischen Theorie und Praxis, zwischen Meinung und Ergebnissen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Blogs von Wissenschaftlern (seien es Edu-, Psycho-, Science-, oder Was-Auch-Immer-Blogs) sich zum Nebenschauplatz entwickeln, neben der eigentlich Wissenschaft. Das finde ich schade, weil es so nie gelingen wird, das Schreiben von Blogs in die wissenschaftliche Output-Liste aufzunehmen.

Fazit: Bloggt wie die Wilden. Es lohnt sich!