Die Intelligenz der Massen
Im Grunde haben wir’s da mit dem Wikiprinzip zu tun: Kollektive Intelligenz führt dazu, dass vorhandene Informationen durch die Beteiligung vieler einzelner Internetnutzer immer besser und richtiger werden. So schafft es zum Beispiel die Wikipedia bei einer großen Zahl der Artikel erstaunlich wenig Rechtschreib- und Grammatikfehler und oft sogar bessere Informationen als im Brockhaus und in anderen gedruckten Werken von Experten zu lesen sind.
Die Soziologin Kate Gordon hat die Intelligenz der Massen mit 200 Studenten vor mehr als 20 Jahren versucht nachzuweisen. Die Studenten mussten mehrere Gegenstände dem Gewicht nach ordnen, der Mittelwert aller Schätzung war dabei verblüffend genau. Gibt es also so etwas wie kollektive Intelligenz, fragen sich Psychologen.
Letztlich haben wir es dabei aber mit einem statistischen Phänomen zu tun: Der Mittelwert ist als Näherung mit hoher Wahrscheinlichkeit genauer als eine einzelne Schätzung. Je mehr Menschen dabei unabhängig voneinander schätzen, desto breiter sind die einzelnen Tipps um das richtige Ergebnis herum gestreut. Der Mittelwert ist deshalb eine gute Näherung.
Vor allem bei Gruppen die Entscheidungen treffen müssen, ist dabei die Heterogenität der Gruppe sehr wesentlich, um das sogenannte “Group Think-Phänomen” zu vermeiden: Hat die Gruppe eine sehr homogene Meinung, oder herrscht ein starkes Autoritätsgefälle, werden wichtige Einzelmeinungen ignoriert und die Gruppe kommt zu schnell zu einer, oft suboptimalen Entscheidung.
Mit dem gleichen Phänomen spielt die Sendung “Die Weisheit der Vielen”, die ich gerade im RTL anschaue: Die Zuschauer können per Telefon/SMS oder Internet mitspielen und gegen einen Experten antreten. Bis jetzt sieht’s schlecht aus, für die Experten. Bei der Frage nach dem Andenhorn habe ich mich auch beteiligt. Was meinen Sie: Haben wir es mit einer Tomatensorte, einem chilenischen Berggipfel, einer Bergziege oder einem Musikinstrument zu tun?
Klar, dass ich mit unlauteren Mitteln mit spiele und erstmal gegoogelt habe. Und dann bei Wikipedia nachgeschaut habe und gleich versucht habe, den fehlenden Artikel anzulegen. Die Idee hatten wohl noch einige andere, denn innerhalb von zwei Minuten hat fast ein Dutzend User versucht, das Lemma anzulegen. Leider wurden die Versuche sofort wieder gelöscht und bei meinem dritten Versuch hatte eine Administrator die Seite gesperrt, ein Anlegen des Lemmas war nicht mehr möglich. Das ist ja dann wohl ein Beispiel dafür, das ein einzelner Administrator doch intelligenter ist als eine Menge RTL-Zuschauer die schnell mal versuchen einen Wikipediaeintrag anzulegen.
Die Weisheit der Vielen. Warum Gruppen klüger sind als Einzelne
The Wisdom of Crowds. Why the Many Are Smarter Than the Few (Abacus)





Kommentare (5)
1
Emily
schrieb am 23. Januar 2008 um 13:57 Uhr:
Nunja, es ist ja auch nicht wirklich verwunderlich, daß da ein relativ gleichmäßiger Mittelwert bei solchen Tests herauskommt. Letztendlich ist doch bei Studenten die Allgemeinbildung relativ stark ausgeprägt – zumindest dürfte es vor 20 Jahren noch gewesen sein, heute würde ich da eher dran zweifeln.
2
Christian Wolle
schrieb am 27. Januar 2008 um 12:40 Uhr:
Jupp, nur in EInzelfällen ist die ALlgemeinbildung sehr stark ausgeprägt. Heutzutage darf doch “jeder” studieren, “jeder” darf Steuergeder in Form von Bafög verschwenden usw ….
3
Rauchen
schrieb am 7. Februar 2008 um 21:40 Uhr:
Du hast recht, nur leider gibt es auch Themen (z.B. Krieg) bei denen jeder eine andere Meinung vertritt und es oft zu Streitereien kommt. Wikipedia ist keine Alternative zu einem guten Fachbuch.
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Think Tanks - Heute schon gedacht eine eigene Meinung zu haben ? « DirkGrund - über Suboptimales
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