Viel ist geschrieben, gesagt, diskutiert worden, über den schrecklichen Amoklauf in Winnenden. Vieles davon lässt mir einen kalten Schauer den Rücken hinunterlaufen: Wenn Journalisten in Twitter live über ihre Anfahrt zum Tatort berichten, als ginge es um ein Fußballspiel; wenn Zeitungen oder Versandhäuser Anzeigen zum Begriff “Amoklauf” auf Google schalten; wenn Internetnutzer ohne nach zu denken Informationen zum Amoklauf verbreiteten; wenn der ARD-Brennpunkt Stunden nach der Tat bereits das Netz als Hauptursache identifiziert hat und suggestiv Halbwahrheiten von sich gibt; wenn Blogger die Medien als die eigentlich Schuldigen bezeichnen; wenn die Gesellschaft als alleinige Ursache des Problems gesehen wird; wenn der Innenminister auf einer Pressekonferenz bekannt gibt, dass alles im vorab im Internet angekündigt wurde, obwohl das keinesfalls bewiesen ist; wenn die Bild die Tat zu einer Fotostrecke verarbeitet; wenn das Verbot von Killerspielen diskutiert wird; wenn eine Verschärfung der Waffengesetze gefordert wird.
All das ist eine lähmende Machtlosigkeit demgegenüber, was einem auf einmal viel zu nahe kommt. Wir vergessen was angemessen und angebracht wäre, wir handeln und diskutieren reflexartig. Wir suchen Antworten und Schuldige: Die Gesellschaft, die Medien, die Computerspiele, die Waffengesetze, die fehlenden Schulpsychologen, die Eltern, das Internet.
Ich wünsche mir eine Woche Auszeit. Eine Woche in der kein Blogger, keine Zeitung, kein Innenminister, kein Experte, keine Talkshow, keine Nachrichtensendung Antworten sucht, wo es keine Antworten gibt; wo Raum bleibt für Trauer und Entsetzen von Schülern, Lehrern, Eltern, Angehörigen und Mitfühlenden. Und dann sollten wir einen Schritt zurück machen und nüchtern und besonnen diskutieren, was zu ändern ist ohne dabei vorschnell eindimensionale Erklärungen gelten zu lassen.
Treffend finde ich, was Uli Sckerl auf dem Blog der Grünen in BW schreibt:
[W]ir [sollten] in Ruhe die ganze Bandbreite diskutieren. Es geht dabei zentral und unausweichlich um eine neue Kultur des Sich-Umeinander-Kümmerns.
UPDATE: Unbedingte Leseempfehlung für den Artikel von Robert Brumme, Autor des Buches „Amok – Amokläufe Jugendlicher an ihren Bildungseinrichtungen – Erklärungsansätze mit Hilfe soziologischer Theorien“














Das ist alles sehr schokierend mit dem Amoklauf. Auch zum Beispiel, wenn gesgat wird, dass die Opfer noch ihre Stifte in der Hand hatten, nachdem sie umgebracht wurden. Das klingt für mich irgendwie respektlos.
Wenn ich an meine Schulzeit zurück denke da haben wir Schüler uns geprügelt und die Lehrer haben auch schon mal zugelangt. Haben wir uns zu Hause darüber beschwert hörte man nur stell dich nicht so an das wirst du schon verdient haben. Ich glaube, die Strukturen damals in der Gesellschaft und in den Schulen waren klarer als heute und uns Schülern hat es auch nicht geschadet. Niemand wäre damals auf die Idee gekommen seinen Frust an Mitschülern, Lehrern und anderen Personen auf solch eine Art und Weise wie jetzt in Winnenden und früher in anderen Städten und Ländern auszulassen. Klar gab es früher kein Internet und keine Computer-und Konsolenspiele und die Reizüberflutung ist was Medien im Allgemeinen betrifft auch größer als zu meinen Zeiten. Aber wir und auch unsere Kinder und Enkel sind doch mit diesen Dingen groß geworden und den allermeisten hat es auch nicht geschadet. Bedenklich ist, wie einfach heute in Deutschland Waffen zu bekommen sind. Das Jugendliche im Elternhaus keinen Zugriff auf Schusswaffen haben dürfen bedarf keiner Diskussion aber wer traut seinem eigenem Kind schon solch eine Tat zu. Eine neue Kultur des Sich-Umeinander-Kümmerns brauchen wir meines Erachtens nicht. Was wir brauchen ist, dass wir uns überhaupt wieder kümmern und nicht wegschauen und mit unseren Kindern mehr Reden und vor allen Dingen zuhören. Dann hoffe ich das Zeichen rechtzeitig erkannt und gegengesteuert werden kann.
Also ich kann da nur zustimmen, dieses Wegschauen bringt uns nicht weiter und man muss einfach die Beziehung zwischen Eltern und Kindern wieder stärken. Erst dann werden wir alle vielleicht das richtige Zeichen gesetzt haben, wie Wolfgang so schön schreibt und hoffen können, dass man solche Dinge vermeiden kann. Denn ein Kind wird eine solche Tat wohl erst dann verüben, wenn es keinen anderen Ausweg mehr sieht.
Ich finde es schade dass zwar wieder über die Waffengesetze und Killerspiele diskutiert wird aber nicht über die gesellschaftlichen Hintergründe die überhaupt zu so einer schrecklichen Tat führen können.
Muss echt sagen, dass dein Artikel beeindruckend ist. Du hast völlig recht und genau das selbe denke ich auch über dieses Geschehen. Die ganzen Nachrichten, Talkshows, Diskussionen, Antwortensuchen.. warum? Einfach mal Zeit umd nachzudenken, Zeit für Trauer wie du sagtest, das wäre das richtigere gewesen.
Wow, eine klasse Zusammenfassung des schrecklichen Amoklaufes. Ich war mir über viele Sachen gar nicht so bewusst, aber du hast diese gut zusammengefasst. Ganz schlimm ist mal wieder die Bild-Zeitung. Aber vermutlich wollen die Leute genau so etwas sehen. Ich finde es einfach nur ekelhaft.
Die Medien aller Art berichten über Amokläufe egal wie, wann oder wo und sie wissen alles besser. Oh, man zeigt auch gerne Formeln für die Lösung, nur wirklich Gedanken machen sie sich nicht, meiner Meinung nach verschlimmern sie das Ganze. Der Fehler liegt in der Gesellschaft und der Zeit – das familiäre aus.
wenn man bedenkt das der schütze erst 18 war dann muss man die eltern bestrafen.
das ändert nur leider gar nichts ….
Nach so einer Katastrophe sind immer erst mal alle betroffen und gehen dann wieder zur Tagesordnung über! Kindererziehung, Killerspiele und Gewalt in den Medien hin oder her- so etwas wird immer wieder passieren, denn solange es Waffen gibt, wird auch jemand seine Aggressionen damit abbauen wollen!
So schlimm es auch ist; selbst ein gut erzogenes, unauffälliges Kind kann zum Killer werden! Wir können so etwas nur registrieren, aber nicht wirklich an uns heranlassen, weil einfach zu viele schlimme Dinge in der Welt passieren, die man nicht ändern kann! Die Nachrichten in den Zeitungen und TV-Sendungen leben von Katastrophen!
Wir können unsere Kinder, Freunde oder Bekannten nur aufklären und ihnen versichern, bei Problemen für sie da zu sein, damit sich das Gefühl der Einsamkeit und damit verbundener Frust und Depressionen gar nicht erst aufstauen können!
Das Internet ist heutzutage einer der wichtigsten und gefährlichsten Plattformen überhaupt, denn hier gibt es fast alles an Informationen und Waren! Über in Netzwerk aus Blogs, Foren und Twitterportalen kann man sicher in Notsituationen beraten, aber sich umeinander zu kümmern heißt, persönlich dazu sein! Man muss sich Zeit füreinander nehmen, zuhören, einfach mal in den Arm nehmen! Moderne Medien spielen eine zu große Rolle, wer geht denn heute noch spontan bei irgendwem vorbei?! Ich kann nicht gleichzeitig die ganze Welt im Blick haben und für meine Lieben da sein! Also; erst um sich selbst und sein Umfeld kümmern, dann erst die virtuelle Welt erkunden!
Obwohl es im Internet Informationen zu allen möglichen Themen und auch entsprechende Waren gibt, darf es gar nicht erst dazu kommen, dass das Netz als Gefahrenherd fungieren kann, d.h. die Ursache für solche Taten liegt meist in der Erziehung und im sozialen Umfeld. Deswegen darf auch nicht weggeschaut werden. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Eltern von so einem “Entwicklungszweig” nichts mitbekommen…Und solche Taten auf die Medien zu schieben ist schlechtweg falsch.
Hallo, vielen Dank für die vielen guten und einmaligen Beiträge!!! Das ist genau das, was ich schon lange gesucht hab. Werd demnächst deine Seite öfters besuchen.