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» Dieser Artikel wurde am
18. Februar 2008
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Enterprise 2.0: Social Software in Unternehmen nutzen

Heute war ich auf einem Workshop mit dem schönen Titel „Enterprise 2.0 – Social Software in Unternehmen nutzen“. Die Referenten Martin Kosner und Oliver Gassner, beide beraten KMUs bei der Einführung von Social Software, versprechen: “In diesem ganztägigen Workshop werden die technischen und organisatorischen Herausforderungen und Chancen vorgestellt und diskutiert.

Der Vormittag des Workshops startet relativ schwach: Die Referenten stellen Wikis und Blogs vor und erzählen über Web 2.0. Böse Zungen sprechen während dem Mittagessen von Aneinanderreihung von Buzzwords, das meiste haben die Teilnehmer wohl tatsächlich schon in der Wikipedia nachgelesen.

Nach dem Mittagsessen gibt’s zwei Gruppen: Eine zu Wikis, eine zu Blogs. Ich gehe natürlich in die Wikigruppen, und jetzt wirds konkret. Wir diskutieren Grundlagen für den Einsatz von Wikis für das Projektmanagement. Drei Anregungen nehme ich mit:

1.) Letztlich ist die Technik zweitrangig: Mal wieder wird mir klar, dass die Unternehmenskultur eng verknüpft mit dem Erfolg von Wissensmangementsystemen. Was schon in Zeiten des Web 1.o galt, gilt erst recht im Web 2.0. Welche Tools, welche Wiki-Engine ich nutze ist letztlich die zweitrangige Entscheidung, wie ich ein Tool in die bestehende Arbeitsabläufe einbinde, Gewohnheiten, Mitarbeiterwünsche und die Unternehmenskultur berücksichtige, ist der zentrale Erfolgsfaktor.

2.) Man braucht einen Wikigärtner: Den Begriff “Wikigärtner” wird von Martin Koser ins Spiel gebracht. Gemeint ist einer, der das Firmen- oder Abteilungswiki immer wieder mal aufräumt, strukturiert und neue Links setzt.

3.) Monogam bleiben: Einer der Teilnehmer erzählt, wie er in seinem Unternehmen den Mitarbeitern per Arbeitsanweisung das Versenden von internen Mail verboten hat. Die gesamte interne Kommunkation erfolgt über das selbstgebastelte Social Software – Tool. Hier haben wir es wohl mit einem zentralen Erfolgsfaktor für den Einsatz von Social Software im Unternehmen zu tun: Eines neues Tool darf kein Add-on zu bestehenden Tools sein und damit zu einer Mehrbelastung führen, sondern muss in seiner Ausschließlichkeit direkten Mehrwert generieren.

Der Ausblick des Workshops gerät dann wieder zur Erzählstunde der Referenten, in der einzelnen Projekte, Ideen und Statements relativ unstrukturiert hintereinander vorgestellt werden (Twitter, Doodle, Brainr). Unbestritten: Die Referenten sind Experten in Ihrem Gebiet, kennen sich aus und haben auf alle Fragen kompetente Antworten. Eine bessere Strukturierung des Workshops hätte allen gut getan.

Bemerkenswert finde ich übrigens die Konsequenz des “Wiki-Evanglists” (so nennt er sich selber) Martin Koser, der seine Folien nicht mit PowerPoint oder vergleichenbaren Tools präsentiert, sondern zeigt sie direkt in seinem DokuWiki. Leider überzeugt mich das nicht so ganz. Der Browser und das Betriebssystem nehmen oben und unten einiges an Platz weg. Das gewohnte 3:4 Format wird damit zum 15:9 Widescreen, leider sind nicht alle Grafiken klein genug, um komplett angezeigt zu werden. Auch der ständig sichtbare Krümmelpfad unter jeder Folie finde ich störend. Praktisch: Am Ende jedes Foliensatzes sprint der Referent auf eine “Metaseite”, auf der die Agenda und alle Folien verlinkt sind. Zum Vorbereiten eines Workshops ist das sicherlich ein gutes Werkzeug, für die Präsentation finde ich es nicht 100% geeignet.

Der Artikel wurde am Montag, den 18. Februar 2008 geschrieben. Er ist abgelegt unter folgenden Kategorien: Tools, web-2.0. Er ist mit folgenden Tags versehen: . Sie können hier einen Trackback senden Trackback zum Artikel anlegen. Kommentieren Sie den Artikel und lassen Sie sich bei neuen Kommentaren Feed für Kommentare automatisch benachrichtigen.

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Kommentare (6)

1

Martin Koser

schrieb am 18. Februar 2008 um 22:08 Uhr:

Sehr schön zusammengefasst, danke für den Bericht und das Feedback.

Beim nächsten Mal werden einige der Erfahrungen sicher aufgenommen und umgesetzt, sogesehen leben wir auch hier die “perpetual beta”. Eine eingängigere Strukturierung wäre dabei ohne Frage wünschenswert, allerdings müssen Sie uns auch verstehen – wir wussten bis heute morgen kurz nach 10 Uhr nicht wer kommt, mit welchen Erwartungen und vor allem welchen Vorkenntnissen. Sogesehen erklärt sich vielleicht auch die Konzipierung des Vormittags als Überblick und “einführende Veranstaltung” – mit allen damit verbundenen Schwächen. Mit persönlich hat die Diskussion am nachmittag auch viel besser gefallen, auch weil wir hier fortgeschrittene Sachen angegangen sind und auf einem guten Niveau diskutiert haben.

Die Kritik am S5-Plugin teile ich, so richtig zufrieden bin ich gerade mit den CSS-Sachen auch nicht. Seine Stärken spielt diese Form der Präsentation aber vor allem in Schulungs- und Coaching-Sessions aus, in denen man quasi ohne die Präsentation verlassen zu müssen, bei Bedarf vertiefende, weitergehende Links “ansurfen” kann.

Gut verwendbar ist es auch, wenn man in kleinen Gruppen den “Powerpoint-Modus” verlässt, um im Wiki-Modus schnell Ergänzungen und Kommentare einzutragen.

Diese Vorteile wiegen zumindest für mich schwerer als die bekannten Nachteile, ganz unabhängig vom Wiki-”Evangelist” sein (ich bin da nicht so dogmatisch, wurde doch hoffentlich deutlich ;)

2

Dirk Röhrborn

schrieb am 19. Februar 2008 um 10:32 Uhr:

Ist es nicht etwas über das Ziel hinausgeschossen, den Gebraucht von E-Mail für die Kommunikation in der Firma einzuschränken? Sicher, Vieles was heute per Mail versandt wird gehört eher in ein Wiki, ein Weblog, Projekttagebuch (ako Twitter) oder einen Social Bookmarking Dienst. Statt die E-Mail-Kommunikation per Dekret einzuschränken, sollten wir unsere Mitarbeiter eher trainieren und coachen, die verfügbaren Medien richtig einzusetzen. So gehört z.B. die Dokumentation einer Problemlösung in ein Wiki, ein Projektstatusbericht ins Projekttagebuch, ein Beitrag zur Diskussion ins Weblog und der Hinweis auf eine interessante Webseite ins Social Bookmarking. Damit bleibt für die E-Mail wieder die persönliche und direkte Ansprache wichtiger Angelegenheiten übrig und das E-Mail-Volumen wird tendenziell geringer.

Sehen Sie das auch so?

Im Übrigen hatte ich die Gelegenheit, auf dem Barcamp in Jena eine Session zu Wiki Patterns von Martin Koser zu verfolgen. Hier ein kurzer Bericht: http://www.humannetworkcompetence.de/2008/02/10/wiki-patterns-enterprise-20-nachlese-vom-barcamp-mitteldeutschland/

3

Johannes Moskaliuk

schrieb am 20. Februar 2008 um 15:49 Uhr:

Ganz sicher stimme ich Ihnen zu, wenn es um das Verbieten der E-Mailkommunikation “per Dekret” geht. Hier besteht natürlich die Gefahr, genau das Gegenteil zu erreichen, nämlich die Wahrnehmung, dass die eigene Arbeitsweise fremdbestimmt wird. Optimal ist es natürlich, wenn Mitarbeitern durch Training, Coaching oder eigene Erfahrung, selbst entscheiden lernen, wann der Gebrauch welches Mediums und welchen Tools sinnvoll und effektiv ist. Meine Erfahrung is aber, dass ein neues Tool oft ein Add-On ist, ich also jetzt eine Mail verschicke mit dem Hinweis darauf, das im Abteilungswiki ein neues Protokoll ist.

Deshalb ist es denke ich essentiell, mit der Einführung von Web 2.0-Tools in einer Firma auch konkrete und verbindliche Worksflows zu entwickeln (das kann ja auch gemeinsam mit den Mitarbeitern geschehen), die eng an das jeweilige Tool angepasst sind. Hieran scheitern meiner Meinung nach gut gemeinte Versuche, z.B. Wikis und Blogs einzusetzten, weil mit der Einführung dieser Tools keine Aussagen gemacht werden, wozu genau sie eingesetzt werden sollen und welche internen Vorgänge sie ersetzen sollen und wo die interne E-Mail immer noch das Kommunikationsmedium 1.Wahl ist.

4

Oliver Gassner

schrieb am 21. Februar 2008 um 11:28 Uhr:

Ja, wie Martin schon sagte: Es war extrem schwer einzuschätzen, wer kommen würde und es gab in der Tat ja einige wenige Teilnehmer, die das als Einführungsveranstaltung genutzt haben. Für die war dann auch mehr “neu”.

Leider konnten wir vorab kaum Kontakt zu den Teilnehmenden aufnehmen, dann hätte man durch das Ausstreuen von Vorbereitungsmateralien sicher einiges abkürzen können.

Ich nehme aus dem Feedback — auch schon während des Tages — mit, dass man mehr als auf ‘Theorien’ auf Cases und klare ‘Profite’ abheben sollte.
Auch wenn solche ‘profite’ eben extrem vom ‘kulturellen’ Umfeld deS E2.0-Ansatzes abhängen und nur eingeschränkt übertragbar sind.

Auch ein ‘Splitting’ von Einführung und Workshop wäre eventuell eine Option, die ein gezielteres Eingehen auf die Teilnehmenden und ihre Bedürfnsse ermöglicht.



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