Am vergangenen Donnerstag war ich zu Gast im Arbeitskreis E-Learning und habe die Insel des Instituts für Wissensmedien in Second Life vorgestellt und 5 Argumente dafür, warum ich es sinnvoll finde, in Second Life auch als Forschungsumgebung zu nutzen. Hier eine kurze Zusammenfassung meiner Argumente:
Hohe Repräsentativität: Irgendwann wird sich jeder selbstverständlich privat und beruflich in virtuellen Welten aufhalten.
Wenn wir langfristig und in die Zukunft denken, dann sind irgendwann mal alle Bevölkerungsschichten, zumindest eines Industrielandes wie Deutschland, in nutzergenerierten virtuellen Onlinewelten vertreten (haben also z.B. einen Account für Second Life). Wir finden hier also einen repräsentativen Durchschnitt durch die Bevölkerung. Damit können wir dem Anspruch gerecht werden, dass unsere Stichprobe einen representativen Querschnitt durch die gesamte Bevölkerung darstellt.
Ökologische Validität: Versuchspersonen befinden sich in einer ihnen bekannten Umgebung, ihr Verhalten kann von einer Situation auf andere verallgemeinert werden.
Wenn Sie unseren Hörsaal in Seconc Life sehen, wissen Sie sofort, um was es geht. Hier werden Vorlesungen gehalten, oder Vorträge. Sie wissen wie Sie sich zu verhalten haben, und was sich gehört und was nicht. Ein einfaches Beispiel: Wenn Sie einen Stuhl sehen, muss ich Ihnen nicht sagen, dass Sie sich drauf setzen können. Für die Forschung in Second Life heißt das: Die Versuchspersonen (zumal wenn sie schon länger in Second Life aktiv sind) befinden sich in einer gewohnten Umgebung, Sie wissen, was hier zu tun ist. Idealerweise verhalten sich Versuchspersonen also so, wie sie sich auch im normalen Leben verhalten, ihr Verhalten während eines Versuchs ist repräsentativ für ihr Verhalten in anderen Situationen. Das gilt insbesondere, wenn wir die Lernen und Wissenskonstruktion in nutzergenerierten virtuellen Welten untersuchen möchten. Dann nutzen wir die gewohnte Lern- und /Arbeitsumgebung der Zukunft für unsere Forschung.
Automatische Versuchssteuerung: Automatisierte und standardisierte Versuche sind effizient und verhindern Versuchsleitereffekte.
Die Versuche in unserem Versuchlabor führen wir mit Hilfe eines automatisierten Bots durch, der per Chat mit den Versuchspersonen kommuniziert. Diese Automatisierte Versuchsdurchführung spart langfristig kosten und ermöglicht eine große Anzahl an Versuchspersonen zu untersuchen. Gleichzeitig werden Versuchsleitereffekte verhindert, da der Bot nicht vom der Versuchspersonen in seinem Verhalten beeinflusst wird (z.B. bei einer richtige Antwort lächelt oder nickt), sondern streng nach Skript agiert. Trotzdem ist ein natürlich Interaktion zwischen Bot und Versuchsperson möglich.
Soziale Interaktion: Virtuelle Welten ermöglichen Kooperation und soziale Interaktion
Lernen in Second Life ist sozial: Ich setze mich nicht mehr allein mit Lerninhalten auseinander, sondern kann mit der Gruppe diskutieren und so neues Wissen erwerben. Deshalb ist Second Life ein ideales Forschungsinstrument um soziale Aspekte und die Interaktion zwischen Lernern zu untersuchen.
Wissenschaftskommunikation : Ergebnisse und Ziele der Forschungsarbeit können in virtuellen Welten der Öffentlichkeit präsentiert werden.
In der Infoarea auf der Insel des Instituts für Wissensmedien berichten wir über das Institut und unsere Forschungziele. Ein weiteres Argument für Forschung in Second Life ist die einfach Möglichkeit, Wissensschaft zu kommunizieren. Dort wo die Forschung stattfindet, können wir auch unserer Ergebnisse präsentieren und können damit dem Anspruch gerecht werden nicht nur Forschung im Elfenbeinturm zu machen, sondern auch zu zeigen, was wir forschen.
Ein Problem.
Second Life heißt auch, ausprobieren, was möglich ist. Wir haben es hier mit einer Zukunftstechnologie zu tun. Es ist kaum möglich abzuschätzen, wo wir in fünf oder zehn Jahren stehen. Forschen in Second Life bleibt innovativ und spannend.














Hallo Herr Moskaliuk,
vielen Dank für die oben aufgeführten Argumente. Es ist schön zu lesen, dass Experten in Second Life eine interessante Plattform sehen, um dort zu forschen.
Ich selbst bin auch gespannt, was in den nächsten Jahren noch alles auf uns zukommen wird.
Schöne Grüße
Stefan Sottner
@Stefan Sottner Danke für den Kommentar. Spannend bleibt es auf jeden Fall …
Finde es sehr interessant, dass Forscher da wirklich was zu erforschen sehen, ich selbst halt evon Second Life wirklich nicht viel, da würde ich mir fast eher WoW einkaufen. Aber naja, wer es mag. Die Ergebnisse von solchen Forschungen würden mich aber sehr wohlt interessieren!
Ich sehe da noch ein Problem: Virtuellen Welten sind immer nur so gut, wie ihre Entwickler. Wenn dort Fehler unterlaufen sind bzw. Dinge vernachlässigt oder nich berücksichtigt worden sind, werden auch die Ergebnisse aus der Forschung fehlerbehaftet sein.