Good Tags - Bad Tags
Donnerstag und Freitag vergangener Woche fand im IWM der Experten-Workshop “Social Tagging in der Wissensorganisation – Perspektiven und Potenziale” statt. Nein ich bin kein Tagging-Experte, habe aber trotzdem teilgenommen und einige interessante Ansätze, Projekte und Ideen mitgenommen. Wie erwartet ist Empirie und Theorie noch nicht so weit, wie die Praxis. Einige Tüftler stellen aber begeistert ihre Produkte und Ansätze vor. Und so gibt es tatsächlich in sehr vielen Bereichen durchdachte und spannende Ideen, von Bibsonomy bis Osotis. Das dabei Tagging und Nutzergenerierte Ontologien sogar Bibliothekare überzeugen kann, finde ich besonders spannend. Ein Highlight des Workshops war sicherlich die Keynote des „Vaters” des Folksonomy-Begriffs Thomas Vander Wal. Auf den Seiten von e-teaching.org ist eine Aufzeichnung des Vortrags zu finden.
Spontan fällt mir der Begriff “Agiles E-Learning in semantischen Wissensnetzen“ ein, den ich auf der Learntec 2008 gelernt habe. Und dabei erinnere ich mich daran, dass ich mir vorgenommen habe auch über den dritten Learntec-Tag am 31.Januar 2008 zu berichten: Meine persönliche Notizen von diesem Tag sind überschrieben mit dem Titel “Begriffsverwirrung“. Ich nehme Teil am Workshop „Dynamische Aus- und Weiterbildung – Agiles E-Learning in semantischen Wissensnetzen. Und so ist denn auch die Ankündigung im Kongresskatalog extrem dynamisch und gespickt mit schönen Begriffen: Life-Authoring, Life-Knowledge-Building, Agiles E-Learning.
Vorgestellt wird das Produkt der Learnfinity. Das ist eine Lernplattform deren Inhalten über ein semantisches Netz verknüpft werden. Der Nutzer kann verschiedene Lernlevels (von Anfänger bis Vertiefung) wählen und bekommt dann adaptiv unterschiedliche Lernmodule angezeigt, die weiterführenden Links werden aus dem semantischen Netz im Hintergrund erzeugt. So erklärt dann auch die Marketingexpertin Claudia Baumer von intelligent views GmbH, die für die semantische Netzwerktechnologie zuständig ist, auf eindrückliche Weise, was ein semantisches Netzwerk ist und ist sich sicher: Das ist Web 3.0. Irgendwie hatte ich mir unter Web 3.0 immer mehr vorgestellt und frage deshalb, ob das semantische Netzwerk auch aus einem vorhandenen Textkorpus automatisch erstellt werden könnte. Die Marketingfrau ist leicht säuerlich der Meinung: Nur wo man Intelligentes reinsteckt, kommt auch Intelligentes raus. Also nichts mit Web 3.0. Derjenige, der bei Learnfinity das semantische Netzwerk erstellt heißt übrigens Knowledge-Builder - und der muss sich richtig gut auskennen um die Menge der unterschiedlichen Relationen richtig und effektiv zu erstellen. Und das alles, damit der Lerner sich effektiv durch die einzelnen Wissenshäppchen der Contentdatenbank navigieren kann.
Nach den Innovationen, ich auf dem Tagging-Workshop kennen gelernt habe, bestätigt sich mein Gefühl, dass das agile E-Learning im semantischen Web nicht wirklich agil mit aktuellen, semantischen Konzepten mithalten kann, die den Nutzer in die Entwicklung eines semantischen Netzes mit einbeziehen. Der “Knowledge Builder” wäre dann nicht derjenige, der das Semantische Netz erstellt, sondern der Tags von Nutzern in semantische Beziehungen einordnet: Kollaborative Ontologiereifung nennt das Simone Braun vom FZI. Genau so spannend finde ich die Lösung, die im Projekt Live umgesetzt wird, an dem Salzburg Research mit arbeitet. Hier werden Filme von Sportereignissen vom einem Reporter live getaggt, und können später von den Zuschauern ebenfalls getaggt werden. Dadurch können leicht einzelnen Szenen und Themen gefunden werden und Beziehungen zwischen einzelnen Filmen hergestellt werden.

















Die folgenden Seiten verweisen auf diesen Artikel (1)
Was ist Semantisches Tagging? « Jakoblog — Das Weblog von Jakob Voß
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