Herr Guttenberg ist zurückgetreten. Damit können wir das Thema Plagiate abhaken. Denn die Empörung der Wissensschaft ist scheinheillig und die Diskussion führt weit am eigentlichen Thema vorbei. Ganz sicher ist das Abschreiben bei einer Doktorarbeit ein grobes Wissenschaftliches Fehlverhalten, das sanktioniert werden muss (und das ja auch wurde). Aber in der Affäre Guttenberg geht es nicht um Wissenschaft. Es geht um medienwirksame, erfolgreiche Vorbilder und deren erschlichenen gesellschaftlichen Status, vielleicht auch um Wahlkampf. Zugrunde gehen wird die Wissensschaft nicht, weil sich eine Karriere-Dissertation sich als Fälschung enttarnt und einige –vielleicht sogar mehrere– Wissensschaftler dreist abschreiben.

Denn: Im Zeitalter moderne Informationstechnologie lohnen sich Plagiate nicht. Immer mehr Universitäten prüfen die Arbeiten ihrer Studierenden automatisch auf Plagiate. Auch Verlage werden hier über kurz oder lang mitmachen, und es wird sich immer weniger lohnen, abzuschreiben. Auch das Übernehmen von Argumentationslinien oder der Struktur von Texten (was auch als Plagiat zu verstehen ist), wird sich in naher Zukunft automatisch erkennen lassen. Es lohnt sich also nicht, ein Plagiat anzufertigen, da die Wahrscheinlichkeit, dass es enttarnt wird viel zu hoch ist (vgl. das Guttenplag-Wiki).

Was die Diskussion um die Affäre  zeigt: Wissenschaft entwickelt sich zur Subkultur. Wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten, wie sie zu ihren Theorien, Hypothesen, Daten, Ergebnissen und Publikationen kommen ist außerhalb dieser Subkultur kaum nachvollziehbar. Die Empörung über eine wissenschaftliche relativ unbedeutenden Dissertation täuscht über die Tatsache hinweg, dass es den Typ Wissenschaftler der sieben Jahre einsam im Stillen Kämmerlein sitzt und nachdenkt, schon lange nicht mehr gibt. Und statt uns sinnlos über Plagiate zu empören, sollten wir überlegen, wie wir das ändern können. Wenn der Beruf Wissenschaftler für Kinder ähnlich attraktiv wie Lokomotivführerin oder Astronaut ist, dann sind wir auf dem richtigen Weg (vgl. Mierk Schwabe). Wissenschaft muss sich zur Aufgabe machen, nicht nur möglichst viele und möglichst gute (und natürlich ohne abzuschreiben und Daten zu erfinden oder zu fälschen) Publikationen zu Stande zu bringen, sondern ihre Ergebnisse auch der Öffentlichkeit zugänglich zumachen.

Das Dr. vor dem Namen ist dann nicht nur ein Hinweis auf die Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten. Der Titel zeigt auch, dass der Träger des Titels sich zu gesellschaftlich, relevanten Fragen qualifiziert und vor allem basierend auf wissenschaftlicher Evidenz äußeren kann.