Kein Geld für einen Porsche? Vielleicht im zweiten Leben!
Ich stelle mir mal vor, ich hätte im wahren Leben keinen Erfolg, wäre einsam und allein, weder schön noch sportlich, weder begabt noch beliebt. Kein Problem, in Zeiten des Web 2.0 gibt es auch ein zweites Leben, auf http://secondlife.com.
Ich investiere einfach ein paar Dollar in ein neues Leben. LindenDoller heißt die Währung von Second-Life. Also einfach Geld wechseln, Premium-User werden und eine eigenes Grundstück kaufen. Wer kein Geld investieren will, kann auch erstmal gratis anfangen. Virtuelle Realität in 3D, dem wahren Leben zum verwechseln ähnlich. So weit nur ein nettes Computerspiel.
Aber der LindenDoller ist auch wieder zurückwechselbar in echte Dollar. Und jetzt wird’s ernst. Da ist zum Beispiel Anshe Chung, die mehr als acht Millionen Quadratmeter Grundstück besitzt, im Gegenwert von etwa 150.000 Euro. Sie kauft Grundstücke, baut Häuser und legt Gärten an, und verpachtet das Ganze. Jeder kann Objekte jeder Art basteln, ein bisschen Geschick ist nötig, ein paar Computerikenntnis auch, und so wird man zum Modedesigner, Tätovierer, Zoohändler oder Architekt.
64 Millionen Dollar hat Second Life im letzten Jahr umgesetzt, echte Dollar versteht sich. Spitzenwert waren 50.000 Anmeldungen pro Tag. Erfinder der ganzen Sache sind Jeffrey Bezos (Amazon) und Pierre Omidyar (Ebay).
Auch die Geschäftemacher der echten Welt bauen sich ihr Identitäten in Second Life auf. NIssan wirbt mit einer Parcour auf einer eigenen Insel für sein neues Modell, Sony-BMG schickt seine besten Musiker ins zweite Leben, mehr als 200 echte Firmen mischen mittlerweile mit.
Der nächste Schritt ist klar: Die echte Welt wird mit Second Life vernetzt. Ein Link auf einer echten Webseite verlinkt direkt ins zweite Leben. Dort berät mich dann ein virtueller Kundenberater, Probefahrt inklusive. Bezahlen kann ich wahlweise in LindenDollar oder mit echter VisaCard.
Dann werde ich also demnächst meine psychologische Praxis direkt in Second-Life eröffnen. Oder glauben Sie nicht, dass es hier nicht auch verstärkten Bedarf an kostenpflichter Beratung für die erfolglosen, ungeliebten, einsamen, unattraktiven Persönlichkeiten geben wird. Einziger Auswege: ThirdLife.com. Vielleicht sollte ich diese Domain schon mal kaufen.

















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