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» Dieser Artikel wurde am
27. September 2007
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kollaborativer Wissensaustausch mit Wikis | empirische Untersuchung

Meine Diplomarbeit untersucht die kollaborative Wissenskonstruktion mit Wikis. Unter einem systemischen Blickpunkt wird Lernen als Konstruktion von Bedeutung an der Grenze zwischen eigenem Vorwissen und Artefakt beschrieben. Grundlage ist das Modell zum kollaborativen Wissenserwerb mit Wikis, wie es Cress und Kimmerle (2007) vorschlagen. Mit einem Experiment werden erste Hinweise auf die Gültigkeit des Modells erhoben und Methoden exploriert, die sich zur weiteren Untersuchung eignen.

Ausgehend von der Systemtheorie Luhmanns (1984) beschreibt das Modell von Cress und Kimmerle (2007) zwei Systeme: Den Wissensraum als mental repräsentierte kognitive Schemata über eine Wissensdomäne und den Informationsraum als Informationsstruktur eines Wikitextes. Wissenskonstruktion geschieht im konstruktivistischen Sinn als Lernen durch Externalisierung oder Lernen durch Internalisierung an der Grenze von Wissens- und Informationsraum. Die Autoren übertragen, um die Prozesse der Wissenskonstruktion genauer zu beschreiben, die Konzepte Akkommodation bzw. Assimilation, wie sie Piaget (1977) als mentale Prozesse beschreibt, auch auf den Informationsraum. Daraus ergeben sich vier Prozesse, mit denen die Wissenskonstruktion qualitativ beschrieben werden kann:

  • internale Assimilation: Neue Informationen (aus dem Wiki) werden dem vorhandenen Wissen des Lerners hinzugefügt.
  • externale Assimilation: Den Informationen im Wiki wird neues Wissens hinzugefügt, das Wiki wird mit neuen Informationen ergänzt.
  • internale Akkomodation: Neue Informationen (aus dem Wiki) führen zu einer Umstrukturierung des vorhandenen Wissens des Lerners
  • externale Akkommodation: Die im Wikitext enthaltenen Informationen werden umstrukturiert, damit eigenes Wissen hinzugefügt werden kann, oder der vorhandene Wikitext das eigene Wissen angemessen repräsentiert.

Entscheidend für das Ausmaß der Wissenskonstruktion ist die Distanz zwischen Wissens- und Informationsraum. Distanz meint das Ungleichgewicht zwischen den eigenen kognitiven Schemata und der Wahrnehmung der Umwelt. Cress und Kimmerle (2007) postulieren hier einen u-förmigen Zusammenhang: Am meisten Wissenskonstruktion ist bei mittlerer Distanz zwischen Wissens- und Informationsraum möglich, weniger Wissenskonstruktion bei hoher bzw. niedriger Distanz.Zur ersten empirischen Überprüfung des Modells und zur Exploration geeigneter Methoden und Operationalisierungen wird ein Experiment im Labor durchgeführt. Die Versuchspersonen arbeiten mit einem Wiki über psychische Erkrankungen, in Newsletter einpflegen sollen. Variiert wird die Distanz zwischen den erhaltenen Informationen (als Wissen der Versuchspersonen) und den im Wiki bereits enthaltenen Informationen. Als abhängige Variable wird das erworbene Fakten- und Modellwissen erhoben. Es zeigen sich bessere Leistungen in einem Multiple-Choice-Test der Faktenwissen abfragt für die Versuchspersonen, die mit einem einseitigen Wiki arbeiten (mittlere Distanz), als für die anderen Bedingungen. Außerdem geben die Versuchspersonen in dieser Bedingung auf die offene Frage nach dem einleuchtendsten Erklärungsansatz komplexere Antworten (höheres Modellwissen).

Literatur
Cress, U. & Kimmerle, J. (2007). A theoretical framework of collaborative knowledge building with wikis: A systemic and cognitive perspective. In A. O’Donnell & C. Hmele-Silver (Hrsg.), Proceedings of the 7th International Computer Supported Collaborative Learning Conference (CSCL 2007). Mahwah: Lawrence Erlbaum Associates.

Luhmann, N. (1984). Soziale Systeme: Grundriss einer allgemeinen Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Moskaliuk, J. (2007). Kollaborative Wissenskonstruktion mit Wikis. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Tübingen.

Piaget, J. (1977). The development of thought: Equilibration of cognitive structures. New York: Viking Press.

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Der Artikel wurde am Donnerstag, den 27. September 2007 geschrieben. Er ist folgenden Schlagworten zugeordnet:, , , , . Sie können hier einen Trackback senden Trackback zum Artikel anlegen. Kommentieren Sie den Artikel und lassen Sie sich bei neuen Kommentaren Feed für Kommentare automatisch benachrichtigen.

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