Kommunikation mit Zettelkästen oder Das Offline – Wiki
Nein, ich kenne mich nicht gut mit Luhmanns Systemtheorie aus. Ich bin Psychologe, und so liegt es mit näher, Individuen zu betrachten als Systeme. Trotzdem bin ich fasziniert und versuche Luhmanns Ideen zu verstehen und deren Mehrwert zu nutzen. Als Wikiverfechter finde ich, es liegt ziemlich nahe, Luhmanns Ideen auf die Wissenskonstruktion mit Wikis zu übertragen [1]. Und ich bin mir fast sicher, heute würde Luhmann statt seines Zettelkastens ein Wiki verwenden. So versuche ich hier, seinen Erfahrungsbericht über die Kommunikation mit Zettelkästen [2] auf meine Erfahrungen mit Wikis zu übertragen, als ein „Stück empirischer Sozialforschung.“
Das Wiki und ich, beides sind Systeme. Das steht fest. Das Wiki und die dazugehörende Community ist ein Soziales System, und das, was von mir hierfür relevant ist, ist ein kognitives System. Das „wird niemanden überraschen“. Und wir, also mein kognitives System und das Wiki kommunizieren miteinander, wir sind „Kommunikationspartner“. Das Kommunizieren erfolgt schriftlich, das Schreiben ist grundlegende Vorraussetzung für Denken, beim Schreiben fallen mir Unstimmigkeiten auf, ich finde Anschlussstellen, der „Zusammenhalt anschließender Informationsverarbeitungsprozesse [ist] garantiert“. Als Psychologe würde ich das Lernen durch Externalisierung nennen: Durch das Externalisieren meiner Ideen lerne ich dazu, gleichzeitig fallen mir Unstimmigkeiten auf, die ich so lösen kann. Schreibe ich meine Gedanken nun in ein Wiki, gibt es noch einen weiteren wichtigen Prozess: Ich finde neue Ideen, neue Gedanken im Wiki, die andere Nutzer dort hineingeschrieben haben. Das kann zu einem kognitiven Konflikt führen: Meine Wissen passt nicht zu den Informationen, die im Wiki stehen. Wie die Prozesse aussehen, mit dem dieser Konflikt gelöst werden kann, ist eine andere Baustelle. Hier ist wichtig, dass dieser Konflikt nun zu einem zweiten Lernprozess führt, dem Lernen durch Internalisierung: Ich entdecke neue Informationen im Wiki, die ich internalisieren kann. Luhmann beschreibt das, was ich als Psychologe kognitiven Konflikt nenne so: „ [...] eine der elementaren Vorraussetzung [ist], dass sich die Partner wechselseitig überraschen können. “ Ich lerne durch Internalisierung vom Wiki, das Wiki lernt durch Externalisierung von mir.
Bei Luhmann passiert das gegenseitig Überraschen durch „Einbau von Zufall“ ins System. Er findet in seinem Zettelkasten Zusammenhänge und Informationen, die ihm noch nie wichtig erschienen. Das geschieht durch die „offene Anlage“ des Zettelkastens, der nicht thematisch sortiert ist, sondern beim dem neuen Zettel stets durch das Erweitern vorhandener Zettel in fortlaufende Nummerierung geschieht. Beim Wiki ist dieser Einbau von Zufall über die Beteiligung andere Nutzer gewährleistet: Beim Arbeiten mit dem Wiki stoße ich so auf Verknüpfungen, die mir noch nie aufgefallen sind.
Doch wie genau funktioniert der Zettelkasten? Jeder neue Zettel erhält einen festen Stellplatz, eine feststehenden Nummer. Neue Notizen können nun hinten angestellt werden, nach dem Zettel 98 folgt also der Zettel 99, neue Zettel können aber auch überall anders zugeordnet werden. Dem Zettel 98/16 folgt der Zettel 98/17 und kann dann um 98/17a, um 98/17a1 usw. ergänzt werden.
Daraus ergibt sich eine „beliebige innere Verzweigungsfähigkeit“, es gibt keine „Bindung an sequentielle Linearität“. Was Luhmann da offline realisiert, ist letztlich eine Hypertextstruktur. Jeder Zettel wird als Knoten mit einem anderen Zettel verlinkt. Daraus ergeben sich online wie offline „Verweisungen in beliebiger Zahl“, ein Zettel kann mit vielen anderen Zettel verknüpft werden, in dem Verweisziele auf dem Zettel angegeben, eine Information (ein Zettel) kann in mehreren Kontexten verwendet werden. Wie beim Wiki also: Ein nichthierachische Navigationsstruktur.
Luhmann braucht nun für seinen Zettelkasten ein Register mit Schlagwörtern, nur so findet er den Einstieg in seinen Zettelkasten. Beim Wiki braucht man kein Register, mit Hilfe einer Suchfunktion finde ich den Einstieg in das Wiki.
All diese Überlegungen führen Luhmann zu der Aussage, dass sein Zettelkasten ein „Zweitgedächnis, mit dem man kommunizieren kann“ sei. Und, dieser Zettelkasten ist „selbstständig“, er findet „Möglichkeiten, die so nie geplant waren“.
Ob ich soweit gehen möchte, ein Wiki als selbstständiges Zweitgedächtnis zu beschreiben, muss ich mir noch überlegen. Aber wenn ich die Schlagworte „Wisdom of the crowd “ und „serendipity“ ernst nehme, dann sind wir schon nahe dran. Die Wissensemergenz, die durch die kollaborative Arbeit an einem Wiki entstehen kann, die Möglichkeit, neues Wissen zu generieren, dass mehr ist als die Summe des Wissens der
Einzelnen, könnte für einen externen Betrachter tatsächlich den Anschein erwecken, das Wiki könne denken.
Aber als Psychologe kann ich nur schwer aus meiner Haut. Der sytemische Ansatz liefert eine interessante Beschreibungssprache und eröffnete neue theoretische [2] und empirische [3] Annäherungsweisen. Letztlich ist es aber nicht das Wiki, das denkt. Das Wiki ist Kommunikationsmedium, mit dessen Hilfe einzelne Individuuen kommunizieren und kooperieren. Und damit hoffentlich mehr Wissen generieren, als wenn jeder für sich allein schaffen würde.
Trotzdem bin ich mir sicher: Luhmann würde Wikis lieben.



Kommentare (11)
1
ricarda
schrieb am 28. Mai 2008 um 10:14 Uhr:
Bin von deinem Artikel begeistert, super Ansatz. Auch ich beschäftige mich mit psychologie, was hälst Du vom 0,2 Sek. Vetorecht, die jeder von uns zur Verfügung hat??
2
coco
schrieb am 29. Mai 2008 um 11:27 Uhr:
Der Artikel ist echt super verfasst. Ricarda Du meinst, daß mann bewusst leben und achtsam sein sollte, weil mann durch unbewusstes Verhalten, durch sein Unterbewusst sein mechanisiert wird. Habe auch darüber gelesen und war erschrocken, wie wenig Einfluß wir eigentlich auf uns selber haben..
3
Marc | Wissenswerkstatt
schrieb am 2. Juni 2008 um 11:47 Uhr:
Im Gegensatz zu meinen Vorrednerinnen habe ich den Artikel tatsächlich gelesen!
Naja, wieso muß man das Internet eigentlich mit Spam-Comments vollschmieren?
4
Johannes Moskaliuk
schrieb am 7. Juni 2008 um 13:03 Uhr:
@coco und ricarda: Ich kann leider nicht erkennen, was eure Kommentare mit meinem Artikel zu tun haben. SEO-technisch bringts Euch leider auch gar nichts, sorry!
5
Daniel
schrieb am 2. März 2009 um 20:31 Uhr:
Hallo,
ich wäre mir nicht so sicher, ob Luhmann wirklich Wikis lieben würde – bei seiner Technikskepsis.
Aber Wikis sind schon – zumindest in Ansätzen – eine Art technische Umsetzung des Luhmann’schen Zettelkasten-Prinzips. Allerdings, und das ist ein Nachteil von Wikis, wenn man wirklich produktiv und mit einer hohen Anzahl von “Zetteln” arbeiten möchte, sind Wikis meiner Meinung nach nicht sehr komfortabel.
Nehmen wir die Verschlagwortung als Beispiel, was bei Wikis ja das zentrale Vernetzungsprinzip ist: Am Anfang ist es noch übersichtlich, aber ab mehreren hundert Zetteln und mindestens ebenso vielen Schlagwörtern weiß man nicht mehr, ob man nun “Zweck”, “Absicht”, “Motive” oder “Intention” gewählt? Sollte man alle Begriffe verwenden, die einem gerade einfallen? Hat man auch alle verwendet, sodass die Vernetzung unter den “Zetteln” gewährleistet ist?
Ein anderes Beispiel wären Suchen: Ich persönlich arbeite gerne mit Suchergebnissen weiter, oder möchte diese nach bestimmten Begriffen weiter einschränken, komme von Suchergebnissen zu anderen Einträgen etc. Hier scheinen mir Wikis auch nicht sehr komfortabel zu sein.
Luhmann hat gesagt, er braucht viel Platz, um alle Zettel auf seinem Schreibtisch auslegen und sichten zu können. Diese Übersicht fehlt mir (noch) bei Wikis. Daher (und jetzt mache ich etwas Eigenwerbung, wenn erlaubt) habe ich versucht, das Prinzip des Zettelkastens auf Computer umzusetzen und auch auf “Arbeitsergonomie” zu achten (d.h. die oben genannten “Probleme” lassen sich mit dem Zettelkasten-Programm deutlich reduzieren und die Arbeit vereinfachen) und natürlich durch unterschiedlichste Vernetzungsmöglichkeiten.
Denn der Trick eines Zettelkastens, soll er ein Kommunikationspartner werden und für Überraschungen sorgen, liegt nicht nur in der einfachen Vernetzung – sondern, wie Luhmann in seinem Aufsatz über Zettelkästen schreibt: “auf der Ebene der (…) Relationierung von Relationen”. Und hier die Relationen schnell und umfassend zu erfassen, erscheint mir in Wikis immer noch etwas unpraktisch gelöst.
Vom Prinzip her kommen Wikis dem Zettelkasten sehr nahe (oder: ganz ran), aber die Arbeitsweise mit Wikis ist noch zu umständlich, zumindest wenn es um komplexere Zettelkästen geht, und der produktiven Arbeit damit (inklusive Textproduktion wie bspw. die Outliner- oder Schreibtisch-Funktion).
Aber es ist ein spannendes Thema! Solltest du gute Wiki-Software kennen, würde ich gerne davon erfahren. Ich bin immer an Ideen interessiert, die ggf. auch für meinen Zettelkasten sinnvoll zu implementieren wären.
Viele Grüße
Daniel
6
Manfred
schrieb am 2. März 2009 um 21:11 Uhr:
Daniel sagte: “Nehmen wir die Verschlagwortung als Beispiel, was bei Wikis ja das zentrale Vernetzungsprinzip ist: Am Anfang ist es noch übersichtlich, aber ab mehreren hundert Zetteln und mindestens ebenso vielen Schlagwörtern weiß man nicht mehr, ob man nun “Zweck”, “Absicht”, “Motive” oder “Intention” gewählt? Sollte man alle Begriffe verwenden, die einem gerade einfallen? Hat man auch alle verwendet, sodass die Vernetzung unter den “Zetteln” gewährleistet ist?”
Verstehe ich nicht ganz. Verschlagwortung ist eher sekundär bei einem Wiki. Die direkten Verbindungen durch sog. “WikiWords” o. Klammern wie “[[Luhmann]]” sind primär, und diese bringen einen sehr bald auf die “Ebene der … Relationierung von Relationen.”
Ob Herr Luhmann selbst Wkis gemocht hätte, weiss ich eher nicht.
Ich empfehle als “Desktop wiki”: http://forum.connectedtext.com/
7
Daniel
schrieb am 2. März 2009 um 21:51 Uhr:
Das, was man in Wikis einklammer und somit Verweise herstellt, sind ja im Grund genommen die Schlagwörter, also die zentralen Begriffe, die Verweise herstellen sollen – oder unterscheidet sich das Prinzip der Wikis hier grundlegend von einer Verschlagwortung?
Nun weiß ich nicht (mehr) genau, wie ConnectedText funktioniert, ich hatte es vor langer Zeit mal angeschaut, allerdings bin ich jetzt nicht mehr mit einem Windows-Rechner unterwegs. Auf jeden Fall machte ConnectedText einen sehr guten Eindruck in der kurzen Testzeit, aber wie gesagt, ich konnte nicht ausgiebig testen.
Ich sage auch nicht, dass die Ebene der Relationierung von Relationen durch Wikis nicht erreicht werden kann. Die “Technik”, ob Holz+Papier, oder Wiki, ist im Grunde egal. Aber Wikis haben – meiner Meinung nach – immer noch einen entscheidenden Nachteil in Bezug auf die Arbeitsergonomie, auf die praktische Handhabung. Wie z.B. die schnelle Übersicht über viele Zettel auf einmal, schneller Überblick über verschiedene Vernetzungswege etc., und dann letztendlich auch die Möglichkeiten der ersten Schritte zur Textproduktion.
Und nicht nur da, sondern bereits bei der Eingabe vermisse ich bei Wikis gewisse Hilfestellungen, die eine gute Verschlagwortung vereinfachen. Es ist ja nicht immer so, dass ein Schlagwort genau in der Form auch im Text vorkommen muss. Oder das Schlagworte, die bspw. im Kontext zu bestimmten Begriffen im Text stehen, aber so im Text nicht auftauchen. Wie findet man diese in Wikis?
Wichtig ist aber, dass die Technik des Zettelkastens nur sekundär ist. Primär ist die dahinterstehende Theorie, die den Anwender bei der Anwendung leiten sollte und somit sicherlich das Potenzial des Zettelkastens als Kommunikationspartner steigern wird.
8
Manfred
schrieb am 2. März 2009 um 22:50 Uhr:
Die Wiki-links sind keine Schlagwörter, sondern direkte Verweise auf andere “Zettel” oder “Seiten.” Sie funktionieren so wie die Nummern, die Luhmann seinen Zetteln gegeben hat, d. h. sie führen ein Thema fort oder sie verzweigen es.
Vielleicht ist dieser Blog Eintrag interessant (obwohl auf Englisch): http://takingnotenow.blogspot.com/2007/12/luhmanns-zettelkasten.html
Wie findet man, was im Wiki ist, man aber vergessen hat: Boolean Search und Browsing.
“Wichtig ist aber, dass die Technik des Zettelkastens nur sekundär ist. Primär ist die dahinterstehende Theorie, die den Anwender bei der Anwendung leiten sollte …” Daüber bin ich mir nicht so sicher. Technik und Theorie scheinen mir nicht so unabhängig von einander zu sein.
Manfred
9
Daniel
schrieb am 2. März 2009 um 23:25 Uhr:
Aber Schlagwörter/Verschlagwortung (oder meinetwegen auch Tags) wird es doch sicherlich auch geben, oder? Luhmanns Zettelkasten basierte ja zum einen auf der Verschlagwortung von Zetteln und zum anderen auf auf den direkten Querverweisen zwischen Zetteln (sei es durch manuell eingetragene Verweise auf andere Zettel oder die Fortführung von Zetteln mit den berühmten Nummerierungen).
Zum Wiederfinden: Ich meine nicht generell Suchen, sondern bspw. die “intelligente” Vergabe von Schlagwörtern, wie ich es in meinem Programm genannt habe. Aus einer Liste von hunderten (bei mir knapp 1800) Schlagwörtern werden im ersten Schritt nur die ausgesucht, die so oder ähnlich im Textexzerpt vorkommen, also eine gewisse Relevanz besitzen. Wenn man sich aus dieser Liste nun 5 Begriffe ausgesucht hat, kann man sich in einem zweiten Schritt aus den übrigen Schlagwörtern die aussuchen, die schonmal im Kontext mit den ersten 5 verwendet wurden usw. So kann man sukzessive die bereits vorhandenen Schlagwörter nach Relevanz “abarbeiten”, was die Arbeit enorm erleichtert. Oder eben Synonyme: Wenn ich ein Text eingebe, der das Wort “Absicht” enthält, schlägt das Programm “Motiv” als Schlagwort vor. Gleiches gilt für die Suche: Wenn man nach “Motiv” sucht, werden – optional – auch Einträge mit dem Begriff “Absicht” gefunden.
Neben den manuellen Verweisen (also die bspw. Wiki-Links) sind überdies aber auch automatische Verweise basierend auf den vergebenen Schlagwörtern praktisch, um Vernetzungen herzustellen und damit Ansatzpunkte zum “Surfen” durch die Zettel zu erhalten. Praktisch vor allem dann, wenn man sich die Vernetzungen zu anderen Einträgen nicht nur für alle Schlagwörter eines Zettels, sondern auch nur die Verweise zu bestimmten Schlagwörtern anzeigen lassen kann.
Das meine ich mit erleichternder Arbeitsweise, die ich bei Wikis so nicht kenne – und wie gesagt, der aktuelle Funktionsumfang von ConnectedText ist mir nicht bekannt. Sollte ich hier Dinge aufführen, die ConnectedText (als Beispiel) schon kann, war das nicht absichtlich von mir unterschlagen worden.
Und zur Unterscheidung Technik/Theorie: Ich würde schon sagen, dass man ein “Wissensmanagement” a la Luhmann aufbauen kann, ohne auf eine bestimmte Technik (im Sinne von Holz, EDV etc.) notwendig angewiesen zu sein. Die Theorie gibt hier vor allem Anleitung, a) wie an exzerpiert (d.h. also auch, wie man ihn “liest”, siehe bspw. http://www.strengejacke.de/2007-08-04/lesen-lernen) und b) wie man mit dem Zettelkasten umgeht. Es gibt erst mal keinen Zettel, der von sich aus wichtiger ist als andere. Man kann im Grunde genommen immer bei Zettel X ansetzen, und hat jedesmal andere Ideen und Gedankengänge. Kein Verlauf ist linear. Die Arbeitsweise mit dem Zettelkasten, so wie Luhmann sie beschreibt, ist ja schon systemtheoretisch “fundiert”. Es gibt sicherlich viele andere Verfahren, wie man mit derselben Technik (Holz, EDV, sogar identische Programme) ganz anders verfährt, wenn es um Wissensorganisation und Text-Retrieval geht – eben, weil man sich bspw. nicht so sehr für den “systemtheoretischen” Ansatz interessiert. Aber gut, hier betrete ich etwas dünnes Eis, da ich mich mit Technik+Wissensmanagement allgemein noch nicht so intensiv beschäftig habe, als dass ich genauer belegen könnte, warum Technik und Theorie sich nicht unbedingt bedingen oder auch doch.
Gruß
Daniel
P.S.: Auf deinen Blogeintrag bin ich schon mal gestoßen, ich werde den jetzt aber noch mal in Ruhe lesen.
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Joachim
schrieb am 17. März 2009 um 18:32 Uhr:
Das Überraschende an Luhmanns Umgang mit seinem Zettelkasten war für mich, dass das Konzept weniger an Systemtheorie orientiert ist, als an Bretons Surrealismus erinnert, wonach Surrealismus das zufällige Zusammentreffen verschiedener Realitäten auf einer nicht dafür vorgesehenen Ebene ist. Natürlich wird durch Auswahl von Inhalten ein Verhältnis von Welt (alle denkbaren Inhalte) und System (der Inhalt des Zettelkastens) geschaffen. Spätestens bei dem oben erwähnten “Einbau von Zufall” ins System habe ich aber den systemtheoretischen Luhmann nicht mehr wiedererkannt. Das war wirklich überraschend, was er zu seiner Zettelkastenmethode äußerte. Der springende Punkt bei der Eingabe von Inhalten scheint mir aber zu sein, dass er alle seine Gedanken aufgeschrieben hat, unabhängig davon in welchem Zusammenhang sie zum Inhalt des Zettels stehen. Funktioniert die Methode denn nun auch? Ich benutze nun seit 3 Jahren Zettels und kann Luhmanns Ansinnen nur bestätigen. Das Denken bewegt sich in der Zeit, einmal ausgewählte Inhalte verändern sich somit allein durch die zeitlich distanzierte Betrachtung. Die heute möglichen vielfältigen Verknüpfungstechniken mit Querverweisen, Schlagworten, Suchen, Suchen in der Suche und alles auch noch über Kategorien hinweg, ergibt ein Kommunikationsnetz, das nicht zu überblicken ist, es überrascht in der Tat.
11
Dunker
schrieb am 29. Oktober 2009 um 10:39 Uhr:
Das Internet ist Zettelkasten, Zweitgehirn und kollektives Gedächtnis gleichermaßen. diese überbordende Informationskiste braucht allerdings immer auch den wachen Primärgeist, der Unsinniges und Falsches von wertvollen Informationen trennen kann. Dennoch: ohne den “G”-Suchschlitz auf dem Smartphone als einstieg in den Zettelkasten wäre das Leben von heute um einiges rätselhafter…
Die folgenden Seiten verweisen auf diesen Artikel (6)
Wissenswerkstatt | Blog-Teleskop ::: Kommunikation mit Zettelkästen | Werkstatt-Ticker 30
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