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» Dieser Artikel wurde am
7. Oktober 2008
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Nachlese: Workshop “Lernen und Lehren in virtuellen Welten”

Herzlichen Dank an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der beiden Workshops “Lernen und Lehren in virtuellen Welten” auf der Tagung des Bundesverbandes der PsychologielehrerInnen am 2.Oktober in Stuttgart. Über Kommentare, weitere Fragen und Anregungen freue ich mich. Eine kleine Linksammlung den Orten in Second Life, die ich vorgestellt hatte findet sich hier: blog.moskaliuk.com/second-life 

Ausklammert hatte ich beim Workshop ja die Frage nach dem Suchtpotential von Second Life und dem Einfluss der Teilnahme an Virtuellen Welten auf das Sozialverhalten, da der Schwerpunkt des Workshops auf dem Potential virtueller Realität für das Lernen lag. Dennoch, in diesem Beitrag zwei Bemerkungen zu diesen Fragen:

Zurerst ist es auch meiner Sicht -ohne Fachmann für Suchterkrankungen zu sein- durchaus möglich, dass Menschen süchtig nach dem Aufhalten in einer Virtuellen Realität werden, genau so wie die Computerspielsucht mittelweile als ernstzunehmende Suchterkrankung thematisiert wird. Hier wäre ein ähnlicher Mechanismus  anzunehmen wie auch bei stoffgebunden Süchten, nämlich das Suchtverhalten als eine Ersatzhandlung für eine angemessene Auseinandersetzung mit Problemen oder Stress wirkt. Das Aufhalten in Second Life kann hier also eine Flucht in ein zweites, schöneres, stressfreieres Leben bedeuten, das in der Konsequenz eine zunehmende Nicht-Bewältigung des Alltags mit sich bringt. Aus drei Gründen sehe ich aber ein relativ geringes Risiko, tatsächlich süchtig nach Second Life oder anderen nutzer-generierten Virtuellen Online-Realität (VR 2.0) zu werden.

  1. Durch das Fehlen eines Spielziels oder einer programmatischen Festlegen, muss ich mein “Leben” in einer VR 2.0 aktiv gestalten. Anders als in einem Computerspiel ist die Sogwirkung, die durch den Druck ein bestimmtes Ziel zu erreichen (z.B. zum nächsten Level zu kommen) entsteht hier wesentlich geringer. Vielmehr werde ich zum aktiv Handelnden, der -bestenfalls sogar als kreativer Prozess- Inhalte gestalten muss.
  2. Ihren Reiz entfalten Virtuelle Realitäten auch durch die Anwesenheit andere Personen, zunächst steht also die Interaktion und Kommunikation mit anderen im Vordergrund, was gleichzeitig als “Suchtprävention” wirken kann.
  3. Auch wenn es noch keine verlässlichen Zahlen gibt, gehe ich davon aus, dass die Nutzung von virtuellen Realitäten eher substitutiv zu Nutzung andere Medien wirkt. Es gibt Ergebnisse, das Kinder und Jugendliche, die viel Computerspiele spielen, bzw. den Computer nutzen, dafür weniger fern sehen. Das erwarte ich auch für Second Life, statt abends fern zu sehen, halte ich mich jetzt eben in einer Virtuellen Realität auf. Was dabei sinnvoller ist, hängt sicher vom Blickwinkel ab.

Zum zweiten Punkt: Den Auswirkungen der Nutzung von Second Life auf das Sozialverhalten.

Zunächst gilt auch hier wieder: Ein Schwerpunkt liegt in Second Life auf der Interaktion und Kommunikation mit anderen Nutzern. Und hier gelten ähnliche Regeln wie im realen Leben. So ist also zu erwarten, dass sozialpsychologische Mechanismen (z.B. soziale Wahrnehmung, Attributionen, Gruppenprozesse) in einer VR genauso funktionieren wie im normalen Leben. Ein Beispiel wäre die Wahrnehmung eines als angenehm empfunden Abstands zwischen Gesprächspartner, der in einer VR dem im echten Leben entspricht.

Ich würde also erwarten, dass Leute mit einem großen Freundeskreis im echten Leben ihre hohe Sozialkompetenz auch in einer VR einsetzen können und hier viele virtuelle Freunde haben. Anderseits würde ich auch erwarten, dass Leute, die im echten Leben eher schüchtern und zurückhaltend sind, vielleicht in einer VR eher die Möglichkeit wahrnehmen, Freundschaften und Bekanntschaften zu schließen. Das Aufhalten in einer VR zu einer Verschlechterung des Sozialverhaltens führt, oder Menschen mit einem großen Freundeskreis zu einsamen Avataren macht, erwarte ich nicht. Vielmehr würde ich davon ausgehen, dass zahlreiche andere Faktoren im Umfeld eines Kindes oder Jugendlichen dazu führen, dass eine Flucht vor dem wahren Leben in ein zweites Leben beeinflussen und die übermäßige Nutzung von Second Life also eher ein Symptom als die Ursache ist.

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Der Artikel wurde am Dienstag, den 7. Oktober 2008 geschrieben. Er ist abgelegt unter folgenden Kategorien: Allgemein, Second Life. Er ist mit folgenden Tags versehen: , . Sie können hier einen Trackback senden Trackback zum Artikel anlegen. Kommentieren Sie den Artikel und lassen Sie sich bei neuen Kommentaren Feed für Kommentare automatisch benachrichtigen.

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