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» Dieser Artikel wurde am
12. April 2008
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Polylux auf Speed

Am Donnerstag, direkt nach Harald Schmidt in der Sendung Polylux: Der Speeduser “Tim”  erzählt von seiner Speed-Diät: Morgends einen Apfel, nachmittags ein Joghurt, und regelmäßig eine Portion Speed.  Ohne die synthetische Droge Amphetamin könne er dem Druck der Gesellschaft nicht mehr standhalten und nicht die Leistung bringen, die gefordert würde. Ich wundere mich, wie man das überleben kann, und bin einigermaßen sprachlos, über das was unsere Gesellschaft offensichtlich mit Tim macht.

Heute lese ich, angeregt durch das Rauschen in der Blogossphäre, eine Pressemitteilung des Kommando Tito von Hardenberg: “Tim” sei eine Erfindung, um die schlechte Recherche des Magazins Polylux (natürlich stellvertretend für die ganze Medienlandschaft) anzuprangern. Aha. Der Speed-User Tim ist also eine Erfindung, die Speed-Diät gibt es gar nicht, ein Praktikant hat schlecht recherchiert.  „Wir haben die plumpe Internetrecherche von Polylux zum Anlass genommen, die Legende des Speed-Patienten „Tim“ zu erfinden und zum Drehtermin ein kleines Schauspiel vorzuführen. Erschreckend, wie einfach es ist, selbst gewählte Inhalte in Massenmedien zu platzieren und so gesellschaftliche Wirklichkeit werden zu lassen.“

Die Aktion hat sich gelohnt, und wird  an vielen Orten kommentiert …  manch einer mag eine klammheimliche Freude nicht verhehlen können oder findet die Aktion herrlich. Auch ich finde, diese Aktion hat was, und was Polylux in einer Stellungnahme schreibt finde ich richtig: “Mit einem Ziel der Spaßguerilla können wir uns im Übrigen durchaus identifizieren. Auch Polylux ist gegen die Ausbeutung von Praktikanten. Bei uns werden auch keine ausgebeutet.”

Aber die Aktion zeigt noch was ganz anders: Unsere Realität ist letztlich immer Konstruktion. Wir sehen, hören, glauben das, was zu unserer persönlichen Realität passt. Das gilt für Fernsehredakteure in einzelnen genauso wie für das System Medien als Ganzes. Beim zweiten Ansehen des Beitrags habe ich das Gefühl: Klar, der ist gar nicht auf Speed. Ein bisschen mehr Recherche, dann hätten die das wirklich merken können. Aber mal ehrlich. Wer sagt uns, das dieses Spaßkommando Tito von Hardenberg mehr Wirklichkeit ist, als der unechte Speedkonsument Tim. Und die Tatsache, das der Konsum von Speed ein gesellschaftliches Problem ist, ist unabhängig von Tim gesellschaftliche Wirklichkeit. Wirklich!

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Der Artikel wurde am Samstag, den 12. April 2008 geschrieben. Er ist folgenden Schlagworten zugeordnet:, , , , , , . Sie können hier einen Trackback senden Trackback zum Artikel anlegen. Kommentieren Sie den Artikel und lassen Sie sich bei neuen Kommentaren Feed für Kommentare automatisch benachrichtigen.

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Kommentare (4)

1

Marvin

schrieb am 16. April 2008 um 16:51 Uhr:

Bei Polylux hat man doch ständig das Gefühl, sie würden Themen erfinden. Würde mich nicht wundern, wenn Sie das “Kommando Tito von Hardenberg” auch erfunden hätten.

2

lara

schrieb am 18. April 2008 um 20:59 Uhr:

Den Eindruck hab ich auch, aber ich will mich da nicht festlegen.

3

Marcel

schrieb am 25. April 2008 um 08:17 Uhr:

ja, bei polylux kommt es öfter vor das man an deren meldungen zweifelt. ist ja in der vergangenheit schon des öfteren solch geschichten aufgekommen, welche dann als “frei erfunden” deklariert wurden.

4

Johannes Moskaliuk

schrieb am 25. April 2008 um 09:04 Uhr:

@Marcel: Darüber, ob sowas “schon den öfteren” vorgekommen ist, weiß ich leider nichts.

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