Serverloft und Basic Thinking

Robert Basic hat Nägel mit Köpfen gemacht und seinen Blog verkauft, für 46.902 Euro. Die Blogossphäre ist aus dem Winterschlaf erwacht, und hat eifrig berichtet. Marcel Weiß glaubt es nicht, Oliver Gassner gibt dem künftigen Eigner 10 Tipps, Lachs Wichter schlägt vor, Anteile an interessierte Nutzer zu verkaufen. Auch die klassischen Medien spielen mit: 3sat, Spiegel und so weiter. Sogar in die 19 Uhr Nachrichten des ZDF hat es die Aktion geschafft. Roberts Kommentar zum Ende der ebay-Aktion “Saugeil, Saugeil” und “super, jacka”. Soviel dazu.

Meine Anmerkungen zu der Aktion

  1. Content und Leser lassen sich monetarisieren. Robert Basic hat es als einer der Ersten in Deutschland geschafft, das Bloggen zu monetarisieren, durch die zuletzt 37.000 Euro Werbeeinahmen pro Jahr und den Verkaufspreis des Blogs.  Der Hype gerade in den klassischen Medien ist sicher einzigartig, und in der Form nicht mit einem anderen Blogverkauf zu wiederholen. Es konnte aber gezeigt werden, dass guter Content und eine feste Lesercommunity echtes Geld wert ist.
  2. Das neue Web ist zu schnell für normale Entscheider. Glaubt man Robert Basic, fiel die Entscheidung, den Blog zu verkaufen am 6.Januar 2009.  10 Tage später war alles vorbei. Das ist definitiv zu schnell für einen Käufer mit normalen Entscheidungswegen. Damit war es zwar möglich, viel öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen und auf den Punkt zu nutzen. Letztlich wird es damit aber auch unmöglich, konzeptuelle und strategische Entscheidungen zu treffen und damit sind die wirklich finanzkräftige Käufer schonmal außen vor.
  3. Unstrategisches Handeln wirkt glaubwürdig. Weder Robert Basic noch der Käufer des Blogs haben irgendwelche weitergehende strategische Entscheidungen getroffen. Die Entscheidung den Blog zu verkaufen wirkt tatsächlich wie ein spontaner Gedanke nach dem Aufwachen, sogar der Verkaufstext auf ebay wird mit den Nutzern diskutiert. Die neuen Betreiber haben keine Ahnung, was genau sie jetzt machen sollen. Auf dem neuen Blog von Robert Basics findet man am 16.Januar nur zwei sinnlose Testeinträge.  Erfolg hat wer keine Strategie hat. Und irgendwie glauben wir sogar, das Robert Basic einfach mal macht.
  4. Idealisten geht es besser, wenn sie Geld verschenken. Ich habe keinen Einblick in das Unternehmen Basic. Aber die Nutzerzahlen und Verlinkungen lassen den Schluss zu (das sieht sogar Robert Basic selbst so), dass sich die Werbeeinnahmen mit etwas Geschick leicht um einiges gesteigert hätten werden können. Damit hätte sich aus diesem Blog sehr leicht wesentlich mehr Geld rausholen lassen können, als das jetzt durch den Verkauf geschehen ist. Mit ein paar bezahlten, aber begeisterten Bloggern und einigen wenigen Robert-Basic-Einträgen in der Woche hätte Robert Basic einem neuen Projekt zu wenden, und trotzdem weiter von seinem Blog leben können.
  5. Die günstigeste Marketingkampagne des Jahres. Der Käufer des Blogs basic-thinking serverloft hat es geschafft, für einen Spotpreis bekannt zu werden. Selbst wenn die Firma die Werbeeinnahmen aus dem Blog nicht steigern wird (und das ist fast zu erwarten), hat sich der Kauf schon jetzt gelohnt: Das war ein echtes Schnäppchen.

Und, der Verkauf hat noch eine weitere in der Form tatsächlich neue Dimension. Basic Thinking war der Blog der Person Robert Basic. Schwerpunkt des Blogs war nicht nur “Technik, Buzz, Web 2.0″, sondern eben auch sehr viel Robert Basic persönlich. Und das ist wohl auch eines der Erfolgsgeheimnisse von Blogs und ein wesentlicher Unterschied zu klassischen redaktionellen Medien: Die Person und Persönlichkeit des Bloggers scheint immer durch, sie wird zur Marke. Es wird hier also nicht nur ein Projekt verkauft, sondern eine Marke, die eng mit einer Person verknüpft ist. Für mich deshalb die spannende Frage: Schafft es Robert Basic sich selbst als Marke mitzunehmen in seinen neuen Blog. Dann werden die neuen Blogger hinter Basic Thinking wohl nicht langfristig erfolgreich sein.

Fast hätte ichs vergessen: Herzlichen Glückwunsch zum Verkauf der Blogs und viel Erfolg für Deine neuen Projekte, Robert.

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8 Comments.

  1. Über Blogwave habe ich das ZDF-Video über den Verkauf gefunden.
    Link bei Blogwave

  2. Interessante Analyse. Und vor allem wird der Kaufpreis ins rechte Licht gerückt: Was vielen Basic-Thinking-Lesern enorm viel vorkommt, dürfte im Werbeetat von Serverloft kaum auffallen. Für das Geld bekäme man bei den großen Computer- und Internetmagazinen gerade mal eine handvoll Anzeigenseiten. Den meisten scheint nicht klar, mit welchen Summen ein richtiges Unternehmen so hantiert…

    Punkt Nr. 4 ist interessant und im ersten Moment fand ich ihn auch gut. Ich glaube aber, dass das nie funktioniert hätte – oder nur sehr schwer. Ob man Robert Basics Stil nun mag oder nicht: Er hat Fans und Feinde damit gewonnen, wo die meisten anderen blass und austauschbar bleiben. Da Blogger zu finden, die zu ihm passen, halte ich für schwierig. Gut: Bei TechCrunch gibt es mit Michael Arrington auch den herausragenden Leitwolf. Aber ich glaube, TechCrunch war nie so auf eine Person bezogen wie Basic Thinking. Und Michael Arrington hat auch keinen so speziellen Schreibstil. Nicht zuletzt war TechCrunch von Beginn an inhaltlich als das angelegt, was es heute ist.

    Abgesehen davon ist es eben offenbar nicht Roberts Art, etwas so aus Kalkül zu machen. Ich nehme ihm sofort ab, dass die Entscheidung zum Verkauf wirklich in dem Moment gefallen ist, als er es getwittert hat. Er hatte sich das wirklich nicht überlegt. Hatte wirklich keinen Plan, wie man das bei eBay macht. Er hat wirklich noch kein neues Blog aufgebaut. Das ist tatsächlich so, auch wenn manche sich nicht vorstellen können, das jemand “so ist”. Robert macht vieles nach seinem Bauchgefühl. Und bislang scheint er damit ja gut gefahren zu sein.

  3. Jan, danke für den Kommentar. Zu Punkt vier. Vielleicht hast Du recht: Ohne sich da genau zu überlegen, wie das funktionieren hätte können und vor allem wie an die Leser kommuniziert hätte werden können, dass immer noch Basic Thinking drin steckt, auch wenn andere bloggen wäre es sicher nicht gegangen. Aber nach dem Verkauf an serverloft wird es ziemlich sicher nicht gelingen, den finanziellen Gewinn des Blogs zu steigern. Da würde ich fast drauf wetten. Ich denke genau das Bauchgefühl, das unstrategisch Handeln und auch der damit verbundene Schreib- und Interviewstil war ein Markenzeichen des Blogs und letztlich Erfolgsgeheimnis.

  4. der blogverkauf scheint derzeit seinen höhepunkt zu haben. das nächste erfolgreiche blog steht aktuell bei ebay zum verkauf [Link entfernt]

  5. Halte ich insgesamt gesehen für keine gute Entwicklung…

  6. Vorher wurde ja geschätzt, das Blog bringe bis zu 100.000 und mehr. Der jetztige Betrag ist das, was Robert durch, salopp gesagt, 16 Monate willkürliches herumgeblogge, sowieso verdient hätte. Mich würde es wurmen, aber Robert scheint ja nicht so zu sein.

  7. @Marc

    Welches Blog soll das denn bitte sein?

  8. Für Serverloft hat sich der Kauf aus PR sicht ziemlich sicher gelohnt. Leider ist es seitdem auf dem Blog ziemlich still gewesen. Irgendwie schaue ich auch nicht mehr so gerne vorbei.

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