Die Kollegen @ChristinasTweet und @iwmchristoph machen einen interessanten Versuch, in einem Seminar über Social Software Twitter einzusetzen: Zu einzelnen Fragen sollen die Seminarteilnehmer per Tweet kurze Antworten twittern. Besonders lustig fand es dabei einer der Studierenden (Link zum StudiVZ-Eintrag aus Rücksichtsnahme gelöscht), seinen neu angelegten Twitter-Account “moskaljuk” zu nennen und als User-Bild ein Foto von mir hochzuladen.

Nein, ich finde es nicht wirklich schlimm. Nein, ich verschicke keine Abmahnung. Aber aus drei Gründen ist das nicht wirklich schlau:
1.) Das Internet ist kein rechtsfreier Raum
Ein Bild zu verwenden, dass man nicht selber gemacht hat oder für das man eine entsprechende Lizenz besitzt, ist eine Verletzung des Urheberrechts. Da es sich um ein Bild handelt, dass ein Person zeigt, kommen da noch weitere Aspekte dazu. So darf z.B. der Fotograf eines Portrait einer Person dieses nicht ohne deren Zustimmung verwenden (Recht am eigenen Bild). Je nach dem, in welchem Zusammenhang ein Bild verwendet wird, kann außer dem auch das allgemeine Persönlichkeitsrecht relevant sein. Auch wenn es im Netz oft das Problem gibt, dass sich nicht genau nachvollziehen lässt, wer jetzt eigentlich was wo veröffentlicht hat (im vorliegenden Fall ist das allerdings eindeutig), kann es da regelmäßig schnell ziemlich teuer werden.
Übrigens: Die Tweets selbst sind dagegen eher nicht urheberrechtlich geschützt. Also fleißig retweeten.
2.) Die eigene Reputation leidet unter solchen Aktionen
Es gehört mittlerweile zum Standard für Personaler, auch mal bei StudiVZ, XING und Google nach dem Namen eines Bewerbers zu suchen. Die Spuren, die man im Web hinterlässt können also die eigene Kompetenz und das eigene Profil sichtbar machen, aber eben auch peinliche Partyphotos oder andere wenig sinnvolle Aktionen. Die eigene Reputation im Netz beeinflusst schneller als man sich das denken kann, das ganz reale Leben (Das Kollegen-Googlen, der Hiwi-Facebook-Check oder das Studierenden-StudiVZ-Suchen scheint es auch zu geben.) Das sollte man sich vorher immer überlegen.
3.) Medienkompetenz falsch verstanden
Ich verstehe das Social Web als ein Angebot, es sinnvoll zu nutzen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das nicht zu tun. Das fängt an bei dem Produzieren von sinnlosem Datenmüll, der keinen interessiert und hört auf beim absichtlichen Verfälschen von Informationen. Es ist schlichtweg überflüssig, durch mal mehr mal weniger medienwirksame Aktionen zu beweisen, dass Informationen im Internet keine Verlässlichen sind und das das Netz zu “albernen Späßen und Mobbing an[regt]“. Medienkompetenz heißt nicht, zu zeigen, dass man in der Lage ist, ein Twitteraccount mit einem fremden Portraitfoto und einem zum verwechseln ähnlichen Namen einzurichten und mehr oder weniger sinnvolle Ideen von sich zu geben. Da gehört schon noch mehr dazu, zum Beispiel diesen Beitrag sinnvoll zu kommentieren (@moskaljuk: Ich zeige Dir gerne mal, wie das funktioniert.).














Ich finde deinen Artikel sehr treffend und inhaltlich spricht er mir aus der Seele. Die genannte Medienkompetenz muss eben doch erstmal erworben werden und das das Web kein rechtsfreier Raum ist, wird wirklich von sehr, sehr vielen Leuten unterschätzt! Aber es wird nicht mehr also lange dauern, bis da weitere Restriktionen greifen. Geduld ist angsagt…
CU Biggi
Danke für Deinen Kommentar. Wobei mein Argument wäre, dass wir eben nicht mehr Restriktionen brauchen, sondern bestehende Regeln / Gesetze im Netz genauso gelten. Gefragt sind kompetente Nutzer, nicht schärfere Gesetze.
Sehr guter Beitrag. Wurde gerne noch weitere Informationen daruber erhalten.
Besten Dank und gruss
Zu aller erst möchte ich mich für diesen Beitrag bedanken. Er beweist, dass immerhin einer durch meinen Beitrag zum Nachdenken angeregt wurde.
Meinen Account habe ich natürlich geändert. Es war nie meine Absicht ein ganzes Semester verwechselt zu werden, geschweige denn jemanden zu verärgern. Wäre dies der Fall gewesen hätte ich sicher versucht meine Anonymität zu wahren. Zwar war es abzusehen, dass mein Beitrag nicht von allen verstanden oder positiv weiterverwertet wird, wenngleich ich auf eine etwas größere Portion Humor und einen etwas weiteren Betrachtungswinkel gehofft habe. Bei einer etwas differenzierteren Herangehensweise lassen sich meiner Meinung nach doch ein paar interessante Dinge feststellen.
Informationen im Internet sind fast immer öffentlich.
Dies lässt sich an verschiedenen Sachverhalten feststellen. Mal abgesehen von rechtlichen Spitzfindigkeiten ist es ein leichtes ein anderes Bild zu kopieren und einen Account zu imitieren. Jemand, der Informationen im Netz veröffentlicht gibt immer Dinge von sich preis und verliert somit auch ein Stück weit seine Privatsphäre. Dessen sollte man sich bewusst sein.
Auch die Informationen, die in dem Seminar per Twitter besprochen wurden, sind für alle zugänglich und es kann jeder mitwirken. Selbst Personen, die gar nicht zum Seminar gehören, können Beiträge lesen, einstellen und auch weiterverwerten. Dies zeigt auch dieser Blog.
Auch ist es sehr leicht auf eine interagierende Gruppe von außen Aufmerksam zu machen, Beiträge an anderer Stelle zu veröffentlichen und somit auch Dinge zweck- und sinn zu entfremden.
140 Zeichen reichen oft nicht aus um eine tiefere Diskussion zu führen.
So konnte weder ich meine Anliegen per Twitter so formulieren, dass sie auch von allen verstanden werden, noch konnten Sie dazu Stellung nehmen. In wie weit die Tweets auch nützlich sein können um Informationen auf das Wesentliche zu reduzieren sei dahingestellt.
Auch im Bezug auf meine Seminargruppe lassen sich interessante Dinge feststellen. Bis heute hat keiner auf meinen Beitrag reagiert. Hierfür könnte man wohl viele Gründe finden, die ich hier nicht alle besprechen möchte. Trotzdem impliziert dieser Sachverhalt für mich ein paar interessante Ideen. Hier nur ein paar Möglichkeiten exemplarisch:
- durch das ungleiche Mächteverhältnis zwischen Studierender und Dozent wollte keiner kommentieren
- es hat keiner gelesen
- keiner hat den Unterschied gemerkt
- keiner hat sich die Gedanken gemacht, dass sich auch aus einer auf den ersten Blick durchaus stupiden Aktion eigentlich eine Menge Ideen generieren lassen.
Diese Ideen reichen von der schon formulierten Feststellung, dass „Informationen im Internet keine Verlässlichen sind“ bis hin zu der etwas eher der Psychologie geneigten Fragestellung warum Menschen solche Dinge machen? Welche Faktoren spielen hierbei eine Rolle und was kann man hieraus ableiten? Dies sehe ich als interessant an um gerade in der Wissenskommunikation eine erfolgreiche Plattform schaffen zu können, damit eben solche Dinge minimiert werden und der Austausch von brauchbaren Informationen maximiert werden kann. Dies lässt sich fortführen und genau das sollte wohl Teil der Diskussion des Seminars sein und werden.
Wenngleich ich doch in eine andere Richtung und auch andere Leute anregen wollte, so habe ich immerhin jemanden erreicht. Für den unangenehmen Teil dieses Erreichens möchte ich mich hiermit entschuldigen. Auf den produktiven Teil wollte ich wenigstens hinweisen. Es wäre doch schade wenn er zwischen den eng karierten, deutschen Tugenden, wie zum Beispiel die des Rechts und der Ordnung, verloren geht.
Viele, liebe Grüße,
„Erfundenername“
@erfundernername Danke für Deinen Beitrag. Leider ist mir noch nicht wirklich klar, was zu mit Deiner Aktion zeigen wolltest. Das das Internet zu albernen Späßen anregt, war wohl doch nicht Dein Hauptanliegen.
Vielleicht meinst Du, dass Kommunikation im Internet genau so Beschränkungen unterliegt, wie das auch im realen Leben der Fall ist. Da hast Du sicher Recht, die Punkte die Du genannt hast spielen da sicher mit rein. Allerdings sehe ich auch Vorteile, eben zum Beispiel, dass ein Seminar nicht mehr abgeschlossen ist vom Rest der Welt und damit nicht nur Wissenschaft, sondern auch Lehre öffentlich wird.
Meine Erfahrung ist, dass eine Vorraussetzung für Kommunikation im Netz genau so wie im Leben, eine gewisse Menge an Informationen über die Kommunikationspartner ist. Deshalb ist mein Argument, dass Anonymität sich hier eher negativ auswirkt (Was ja nicht heißen muss, das die Darstellung der eigenen Person im Internet selektiv ist).
P.S.: Verärgert hast Du mich übrigens nicht, höchstens amüsiert!
Wirklich sehr interresanter Artikel aber denks du das das wirklich funktioniert. Denn Twitter ist meiner Meinung nach nur einen Aktuelle Modeerscheinung und vielleicht schon in ein paar Monaten wieder verschwunden
was meinst Du, was wirklich funktioniert? Twitter an sich? Oder die Kommunikation von Wissen mit Twitter? Ich denke, Twitter wird sicher irgendwann wieder verschwinden, aber die Grundidee wird sich sicher durchsetzen. Das sieht man schon da dran, dass immer mehr die Idee aufgreifen, z.B. StudiVZ oder XING.
Ja kann mich deiner Meinung nur anschliessen…grade bei den jungen Leuten setzt sich das immer mehr durch, das ist meiner Meinung nach schon etwas mehr als ne Modeerscheinung. Ist grad bei der Jugend schon gut sozial verankert und wird demzufolge weitergepflegt und gehegt werden