Als überzeugter Hard Blogging Scientist möchte ich heute von der Learntec in Karlsruhe berichteten: “Lernen 2.0″ hat sich die 16. Learntec auf die Fahnen geschrieben. Und so ist denn auch das Schlagwort Web 2.0 an vielen Ecken und Enden zu hören. Und das Thema hat das Potential zu polarisieren.
So gibt es Vorträge, wie der von Prof. de Witt, die partizipative Nutzungsformen des Web 2.0 an zahlreicher Beispiele vorstellt und das neue Web als rießige, weltweit verfügbare Enzyklopädie versteht, in der jeder das für sich passende und relevante Wissen findet. Dabei beschreibt die Professorin für Bildungstheorie und Medienpädagogik an der FernUniversität Hagen das Web 2.0 als soziale Revolution: Der Mensch als soziales Wesen tritt in Interaktion mit dem Web 2.0 als Umwelt. Dabei geschieht Veränderung, letztlich haben wir es mit einem wichtigen Bildungsfaktor zu tun. Das Angebote im neuen Internet von bloßer Selbstdarstellung einzelner bis zu optimal aufbereiteten Informationen reichen, erfordert eine Kompetenz im Umgang mit dem Web 2.0 und die Fähigkeit Richtiges, Qualitatives von Unwichtigem zu unterscheidet. Diese positive Sicht auf das Mitmachweb macht Mut, dass Wissenserwerb und Kompetenzentwicklung, durch die bloßes Partizipation geschieht, Bedingungen für erfolgreiches Lernen im Social Web, Hürden und Beschränkungen werden zunächst nicht thematisiert, auch eine genaue Definition des “Neuen” des Web 2.0 gegenüber dem alten Web 1.0 bleibt die Referentin schuldig.
Zum Kahlschlag in die andere Richtung holt Prof. Maurer bei seinem Statement vor der Podiumsdiskussion mit dem Titel St. Google und der Webdrachen aus: Im Mittelpunkt seiner Kritik steht der Medienkonzern Google. Neben der Zerstörung der Privatspäre (“Google ist die größte Detektei”), sei der Konzern auch für die Vernichtung ganzer Berufssparten (Buchhandel, Werbeagenturen, Kunst- und Kulturschaffende in Musik und Film) und für die Entwertung von Wissen verantwortlich und letztlich für eine Veränderung der Sicht auf die Wirklichkeit. Das Google Copy/Paste Syndrom führe dazu, dass Wissen immer oberflächlicher werde und das reine “Suchen” (Search) an die Stelle des “Untersuchens” (Research) tritt. Diese gefährlichen Auswirkungen des Web 2.0 auf die Wissensgesellschaft erfordere internationale, gesetzliche Regelungen für den bis jetzt weitestgehend rechtsfreien Raum Internet. Klar werden die zwei Facetten des
Internets an der Gegenüberstellung der beiden Bücher “The Wisdom of Crowds” von James Surowiecki (siehe auch Blogeintrag vom 20.01.2008) und “The Cult of the Amateur” von Andrew Keen die Prof. Maurer vornimmt. Der “Weisheit der Vielen” die Surowiecki als Motor für qualitativ hochwertigen Content sieht, stellt Keen die Gefahr der “Diktatur der Unwissenden” gegenüber: Wenn die Community entscheidet, das Kreiszahl Pi der Einfachkeit halber auf 4 gerundet wird, heißt das noch lange nicht, dass das richtig und sinnvoll ist. Fazit: Nur die vernüftige Kombination von Experten und Community ist die langfristige Lösung für das Dilemma zwischen der Weisheit und gleichzeitiger Unwissenheit der Vielen.
Klarer denn je ist mir nach diesem ersten Kongresstag: Das Web 2.0 ist alles andere eine bloße technologische Revolution, es hat Auswirkungen auf die moderne Wissensgesellschaft, auf die Kultur im Umgang mit Wissen und Informationen und das eigene Such- und Lernverhalten. Was fehlt ist eine klare Arbeitsdefinition des Begriffs Web 2.0 und die Frage, welche der beschriebenen Veränderungen technischer, und welche kultureller/sozialer Natur sind.
Mein Buchtipp zum Thema:














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