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» Dieser Artikel wurde am
6. September 2009
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4 Kommentare «

Wikipedia und die Öffentlichkeit

Vor einiger Zeit habe ich mich zur Idee eines unabhängigen Wikipedia-Beirates geäußert, als Kontrollgremium, das Verein und Administratoren in kritischen, und von der Öffentlichkeit wahrgenommenen Problemfällen berät. Die Idee passt zur Diskussion im Juni diesen Jahres) um den Versuch, Informationen über David Rohde geheim zu halten und einen Wikipediaartikel über ihn zu überarbeiten. Der “New York Times”-Reporter war im November letzten Jahres in Afghanisten von Taliban entführt worden. Die New York Times versuchte, die Bedeutung des Reporters herunter zuspielen, die Entführung aus den aktuellen Nachrichten rauszuhalten und löschte z.B. den “Hinweis auf einen früheren Arbeitgeber Rohdes [...], den Christian Science Monitor.”

Ob das tatsächlich dazu beigetragen hat, dass Rhode mittlerweile wieder frei ist, kann nicht beantwortet werden. Es steht aber die Frage im Raum, ob diese Vorgehen der New York Times mit Hilfe eines Teams aus Wikipedia-Administratoren um Jimmy Wales gerechtfertig ist oder unter dem Vorzeichen “Zensur” kritisch betrachtet werden muss.

Zunächst ist für mich völlig selbst verständlich, dass wir in einer Demokratie immer abwägen zwischen dem berechtigten Interesse der Öffentlichkeit auf Informationen und den Interessen eines einzelnen Individuums. So akzeptieren wir es, dass z.B. manche Gerichtsverhandlungen nicht öffentlich sind (um die Opfer zu schützen), die Polizei manche Informationen zurückhält (um einen Fahnungserfolg nicht zu gefährden) oder Details über Entführungen geheim bleiben (um Nachahmer zu vermeiden). Das dieses Abwägen manchmal schwierig ist, ist unbestritten. In sofern halte ich es für völlig in Ordnung, dass hier Informationen zurückgehalten werden, die möglicherweise jemanden in Gefahr bringen. Die Frage ist, wer entscheidet, ob und welche Informationen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Und solange das eine demokratisch legitimiertes Gremium ist, das für seine Entscheidungen (zumindest im Nachhinein) Rechenschaft ablegen muss, kann man nicht von Zensur sprechen.

Und nun kann man behaupten: Die Administratoren der Wikipedia sind von der Community legitimiert, eine solche Entscheidung zu treffen. Aber genau das wird in Frage gestellt: Zensiert sich die Wikipedia selbst oder übernimmt hier eine einzelne Person (Jimmy Wales) die Entscheidung über Wahrheit und Veröffentlichung von Inhalten. Die Community-Struktur der Wikipedia ist für Außenstehende kaum zu verstehen: Wie hängen Verein in Deutschland (Wikimedia.de), die Wikimedia-Foundation (wikimediafoundation.org), ehrenamtliche Administrator, angestellten Pressesprechern und den Größen der Wikipedia im Hintergrund (Jimmy Wales). Und wenn wir dann noch bedenken, dass sicher ein nicht unerheblicher Teil der Wikipedia-Nutzer davon ausgeht, hinter der Enzyklopädie steht eine Redaktion von Fachleuten wird es noch komplizierter.

Hier sehe ich einer der Herausforderungen für die nächsten Jahre, die die Wikipedia stellvertretend für viele andere Angebote und Dienste im Web 2.0 lösen muss: Wie lassen sich selbstgesteuerte Communities, deren Mitglieder wertvollen Content produzieren und wirtschaftliche, organisationale und gesellschaftliche Verantwortung vereinen.

Der Artikel wurde am Sonntag, den 6. September 2009 geschrieben. Er ist abgelegt unter folgenden Kategorien: Wikipedia. Er ist mit folgenden Tags versehen: , , , . Sie können hier einen Trackback senden Trackback zum Artikel anlegen. Kommentieren Sie den Artikel und lassen Sie sich bei neuen Kommentaren Feed für Kommentare automatisch benachrichtigen.

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Kommentare (6)

1

Brittgott

schrieb am 3. Dezember 2009 um 16:59 Uhr:

Ich denke, es kommt daruf an, welchen Namen Wikipedia sich machen will… das heißt, mit welchen Attributen es in der Zukunft verbunden werden will… Ein Kontrollgremium wäre vielleicht angebracht, aber mal ehrlich: Für tatsächlich seriöse wissenschaftliche Arbeiten würde ein Student, Forscher, Professor, Journalist usw. sowieso nicht Wiki benutzen. Die Arbeit würde ihm um die Ohren geschlagen werden…

2

Edith

schrieb am 14. Dezember 2009 um 08:47 Uhr:

Ich muss Brittgott in der Hinsicht Recht geben. Bin soeben mit meinem Studium fertig geworden und möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich in meinen vier Jahren als Studentin kein einziges Mal Wikipedia zitiert habe – nicht einmal für simple Begriffserklärungen am Anfang einer Seminararbeit beispielsweise. Uns wurde von den Professoren ständig gesagt, dass Wikipedia keine wissenschaftlich fundierte Quelle sei und dies rein zu Informationszwecken diene, sofern man sich in ein Thema, z.B. über eine Seminararbeit, kurz einlesen möchte.

Ich finde es gut, dass wir eine freie Enzyklopädie wie Wikipedia haben. Es ist einfach praktisch, schnell mal einen unbekannten Begriff zu suchen oder die Biografie einer bestimmten Person zu lesen. In dieser Hinsicht ist Wikipedia einfach TOP. Was jedoch das Verwenden dieser Enzyklopädie als wissenschaftliche Quelle in seriösen Arbeit angeht, so würde ich vorsichtig sein – bzw. generell auf der Hut sein, denn wie wir wissen, können Beiträge in Wikipedia von jedermann bearbeitet werden. Natürlich gibt es zahlreiche Moderatoren, die die Inhalte ständige kontrollieren, dennoch kann es zu Fehlern kommen, die in einer Enzyklopädie wie Brockhaus oder Britannica nicht gegeben sind.

Liebe Grüße,
Edith

3

3D peter

schrieb am 16. Januar 2010 um 17:27 Uhr:

Trotzdem muss man sagen das sich die Qualität von Wikipedia in den letzten jahren strk gesteigert hat. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern in denen sch dort die Spammer wie wild getummelt haben und viel Unsinn verbreitet haben.

4

umts stick vergleich

schrieb am 18. Januar 2010 um 19:21 Uhr:

Also ich finde so ein Gremium grundsätzlich okay.
Es sollte jedoch nicht zu weit gehen und wichtige Dinge zensieren.
Dann würde der Sinn von Wikipedia nicht mehr gerecht und es ist nur noch eine Plattform mit “kontrollierten” Inhalten.

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